Aus der Schreibwerkstatt

Ich möchte immer noch jemand anderes sein. Auf dem Papier. In einer Geschichte. Aber erstmal bin ich noch ich selbst und verarbeite mein eigenes Leben. Es gibt so vieles, das erzählt werden will und wenn dieser Stoff erst einmal erschöpft ist, werde ich mich daran machen, andere Lebensformen auszutesten.

Es ist offenkundig nicht so leicht, gewohntes Terrain zu verlassen und durch die Brille eines anderen Menschen zu blicken. Ich vermute, dass es eines Prozesses der Abkapselung erfordert. Viele Schreibübungen später kann ich dann auf erfundene Erfahrungen zurückgreifen, zur Zeit möchte ich noch reale Erlebnisse aufschreiben.

Ich habe mit meiner ersten Geschichte angefangen. 3 Kapitel habe ich bereits geschrieben. 12 habe ich mir zum Ziel gesetzt, was ich dann damit anfange, werde ich sehen. Vermutlich wird alles noch einmal umgewandelt werden müssen, sortiert und bearbeitet. Zur Zeit ist alles noch etwas chaotisch, was die Geschichte aber auch interessant macht.

Ich habe auch schon Ideen für eine Fantasy-Geschichte. Das ist eigentlich mein großes Ziel. Dafür übe ich zur Zeit noch, wie für einen Marathon. Das Training ist ebenso Teil des Prozesses, wie der eigentliche Wettbewerb. Es gibt noch vieles, was ich lernen muss und ich weiß nicht, wie lange ich brauchen werde, ehe ich meine erste richtig gute Geschichte schreiben werde.

Dass ich eine gute Geschichte schreiben können werde, ist mir völlig klar. Und wenn es 10 Jahre dauert, ich werde es tun. Ich habe mich so intensiv mit Kreativität und Kunst beschäftigt, dass ich genau weiß, wie ich an die Sache herangehen muss und lerne jetzt nur noch das spezifisch literarische Handwerk, das mir fehlt.

Insofern steht die Erforschung von Kommunikation aktuell nicht auf Platz 1 meiner Prioritätenliste, aber doch immer noch auf einer recht hohen Position. Was ich mit diesem Blog bezwecken möchte, weiß ich auch nicht. Es hat sich nach nur 5 Beiträgen in eine ganz andere Richtung entwickelt, als erwartet. Trotzdem möchte ich wöchentlich Artikel verfassen, einfach um zu sehen, was aus mir an interessanten Gedanken herauskommt.

Es ist eine Spielwiese für meine Gedanken und für mögliche Projekte. Fiktional schreibe ich anders wo, hier lasse ich meine Fähigkeiten als Essayistin spielen und schreibe meine Gedanken auf. Ein Tagebuch ist es trotzdem nicht. Auch das führe ich anderswo. Ich möchte dieses Blog an keine große Glocke hängen und mich hier frei austoben können. Die geneigte Leserschaft wird sich mit der Zeit schon einstellen und wenn nicht, dann eben nicht.

Was ich brauche, ist ein neuer Künstlername. Das hat aber auch noch Zeit. Schließlich wird die Veröffentlichung meiner Kunst frühestens in anderthalb Jahren stattfinden. Diesen zeitlichen Rahmen habe ich mir zunächst gesetzt, um genug Zeit für das Training und Verfeinern meiner Fähigkeiten zu haben. Vielleicht wird man den Fortschritt auch hier auf dem Blog verfolgen können. Meine Texte werden sicher mit der Zeit besser – ich habe zu lange ausgesetzt.

Kreative Pausen sind aber dann und wann gut und ich kann wirklich nicht sagen, dass ich 5 Jahre nicht geschrieben habe. De facto habe ich jeden Tag geschrieben. Zwar nur Morgenseiten, aber ich habe geschrieben, geschrieben und geschrieben. Meinem Stil hat das sicher gut getan und auch wenn ich nur wenig Gehaltvolles zustande gebracht habe, kann ich doch auf eine große Materialsammlung blicken, die ich nun nach und nach ausarbeite.

In mir leben 2-3 Hauptfiguren, die darauf warten endlich ihre eigene Geschichte zu bekommen. Klar kann das einen schon mal aus dem Konzept bringen, wenn in deinem eigenen Kopf fremde Perspektiven ein Eigenleben entwickeln. Gut, dass ich das mittlerweile so klar erkenne und den Kopfmitbewohnern nun eigenen Lebensraum zugestehe. Wenn andere Leute meinen, mein Kopf arbeite zu schnell, so lässt sich das nur auf deren Beschränktheit zurückführen.

Jemand anderes sein

Ich habe mich jetzt der Idee verschworen, Fiktion zu produzieren, wenn auch nicht hier. Daher werde ich wohl noch öfter über Kunst nachdenken müssen. Vielleicht werde ich auch andere interessante Themen recherchieren müssen, wie zum Beispiel bestimmte Städte oder Lebenserfahrungen anderer Menschen. Darauf freue ich mich ein bisschen.

Ich denke, das Schreiben ist eine gute Arbeit, die mir nicht schwer fallen dürfte. Gleichzeitig habe ich aber auch wenig Erfahrung im kreativen Schreiben und muss wohl noch viel üben, ehe ich etwas Gehaltvolles zustande bringe. Darum werde ich mich mit Schreibübungen und Schreibkursen beschäftigen und meine sprachlichen Ausdrucksfähigkeiten schulen.

Ich habe gerade neulich erst wieder festgestellt, dass ich einen sehr aktiven Geist habe. Es fällt mir leicht mich in andere hineinzuversetzen und auch meine Fantasie, meine Träume, sind in letzter Zeit lebhafter geworden. Es ist also an der Zeit tief in das Geistesleben einer anderen Person abzutauchen. Diese Person wird mir ähnlich sein, ich kann schließlich aus meinem Kopf nicht raus, aber ich werde auch versuchen, ihr andere Charakterzüge zu geben, sodass sie anders agiert und andere Entscheidungen trifft, als ich. Das ist auch ein Beitrag zu meiner eigenen Welterfahrung, gibt es mir doch Möglichkeiten auszuprobieren, ein anderes Verhalten an den Tag zu legen und mögliche Reaktionen durchzuspielen.

Ich möchte nicht jemand anderes sein. Ich möchte jemand anderen spielen. Nicht im alltäglichen Leben. Damit könnte man böse auf die Schnauze fallen. Deswegen soll es im Rahmen eines Experiments geschehen. Vielleicht werde ich mich dadurch aber auch verändern können. Es wird mir Möglichkeiten geben, meinen Verhaltensradius zu erweitern. Darum möchte ich es ausprobieren.

Ich habe ein bisschen Angst zu tief in eine andere Person abzutauchen und mich selbst zu verlieren, daher muss ich eine künstlerische Distanz wahren. Es ist gut mir diese Dinge im Voraus zu überlegen. Auf dem Papier überlegen, kann ich gut. Jetzt ist es an der Zeit auf dem Papier auszuprobieren und meine Psychohygiene auf ein neues Level zu heben. Wie weit kann ich mich von mir selbst entfernen ohne mir untreu zu werden? Kann ich andere Werte annehmen und aus anderen Perspektiven auf die Welt blicken?

Wenn ich es so beschreibe, klingt es wie ein Spiel und es soll ja auch Spaß machen. Solange ich aber auf der Metaebene bleibe und nur darüber nachdenke, wie es wäre, in die Haut von jemand anderem zu schlüpfen, wird aber nichts passieren und es wird sich auch nichts ändern. Ich hoffe, ich schaffe den Sprung bald und ich hoffe, dass die Übungen mir helfen werden. Es ist an der Zeit nicht mehr um den heißen Brei rumzureden und endlich anzufangen.