Ameise auf hedonistischer Tretmühle

Mein Leben ist eine große Schicht Ignoranz und Weglaufen. Ich laufe vor allem weg und tue so, als könnte ich in lustigen Aktivitäten die Erfüllung finden. Dabei sorgt das nur dafür, dass mein Leben noch leerer wird.

Ich hätte diesen Stöpsel nicht ziehen dürfen. Darüber war eine rosarote Schicht und jetzt kommt nur klebriger schwarzer Teer hervor. Widerlich! Was an den Abgründen meiner Seele steckt.

Die Bucket-Liste und die vielen Projekte sind auch nur Beschäftigungstherapie und ich frage mich, ob der Sinn hinter dem Allem wirklich nur in Spaß-haben und das-Leben-genießen besteht. Irgendwie haben wir doch die Kapazität unsere kurzfristigen Bedürfnisse zurückzustellen und sie gegen langfristigere auszutauschen. Die Frage ist nur: Was ist die Mühe wert?

Oder ist das eine Falle, mit der man sich unglücklich macht?

Irgendwie dreht und dreht sich die scheiß Welt einfach immer weiter und ich weiß nicht, was das Leben wirklich lebenswert macht. Eigentlich heize ich nur dem nächsten Kick hinterher: Dopamin, Adrenalin, Endorphin, Oxytozin, Serotonin. Soll das alles sein?

Die Frage ist doch: Was sind sinnvolle Beschäftigungen? Und wer entscheidet das?

Dein Beitrag zur Welt, kleine Ameise

Die Idee des Dienens wird immer größer, aber welchen Beitrag kann ich wirklich leisten?

Einerseits kriege ich nichts auf die Reihe und andererseits habe ich nichts zu bieten.

Seelische Gesundheit, unterdrückte Agressionen und Hass

Seelische Gesundheit ist ein Thema, das mir unter den Nägeln brennt und zwar nicht meine eigene, die ist zur Zeit gegeben, sondern der Begriff als solches. Ich denke, man kann seelische Gesundheit als Abweichung von der Norm plus Leidensdruck definieren. Denn die Abweichung von der Norm genügt als solche nicht, um irgendeinen Hahn krähen zu lassen. Vielleicht irre ich mich hierin aber auch.

Andererseits existiert vielleicht auch viel Leidensdruck dort, wo keine Abweichungen von der Norm bestehen. Bei den Normalen also. Denjenigen, die bei Okcupid schreiben, sie mögen tiefgründige Gespräche und Reisen oder denen, die bei Bumble angeben, sie gehen gern brunchen, auf Flohmärkte, trinken Wein und machen Yoga. Bei Tinder sucht man solche Angaben vergeblich.

In einer Welt von mehr als 7 Milliarden Menschen ist jeder so crazy und individuell, wie seine Anpassung an den Mainstream es ihm erlaubt. Dass es diesen Mainstream überhaupt noch gibt, ist etwas, das mich immer wieder in Erstaunen versetzt. Es gibt einen globalen Diskurs oder zumindest sieht es aus der jeweiligen Filterblase so aus, denn vielleicht wird dieser Diskurs nur von Minderheiten bestimmt und ist für den Großteil der Menschen völlig irrelevant.

Ist dies das Cogito des 21. Jahrhunderts? Ich blubbere, also bin ich. Immernoch versuchen die Menschen zu größeren Gruppen dazuzugehören. Es liegt in ihrer Natur und ist doch so verachtenswert. Ich finde es vor allem in meiner eigenen Person verachtenswert. Gerade kürzlich erst habe ich gelernt, wie sehr ich mich eigentlich an mein Umfeld anpasse, an die Erwartungen, die an mich gestellt werden und denen ich gerecht zu werden, versuche.

Klar würde ich mich am liebsten davon frei machen und dem Rest der Welt den Kampf ansagen. Mein pazifistisches Bewusstsein ist aber viel zu stark geworden, um irgendjemandem den Krieg zu erklären. Diplomatie ist die Kunst der Stunde und damit die Anpassung.

Mich nervt es ja eigentlich nur, wenn Menschen behaupten sie seien anders. Denn eigentlich ist niemand von uns anders. Wir sind alle auf vielfältigste Weisen gleich und wollen im Großen und Ganzen dasselbe. Das muss doch jeder einsehen können, denke ich mir und echauffiere mich über jene, die offensichtlich nicht sehen, dass sie nur Plattitüden produzieren während sie ihre halbgare Individualität in die Welt hinausblasen.

Und doch kommt man auch mit Arroganz nicht weit. In der Leistungsgesellschaft vielleicht schon, in meinem Ansehen aber nicht. Da ich aber auch weiterhin in meinem Kopf stecken werde, muss ich mir selbst in die Augen blicken und Selbstgespräche führen können, wie Sokrates schon sagte.

Der Beitrag einer heldenhaften Ameise zur seelischen Gesundheit der Welt

Ich bin eine kleine Kreatur mit einer unbedeutenden Existenz. Eine Ameise unter vielen, die ums Überleben kämpfen. Klar kann ich behaupten, ich wäre ein Superbösewicht, doch ohne den neuen X-Men gesehen zu haben, fehlt mir da zur Zeit noch der zeitgenössische Bezug. Ich kann ruhig zugeben, dass ich meine Bio vom letzten X-Men abgekupfert habe. Weil ich die Idee alle Atombomben ins All zu schießen so schön fand. Auch wenn es der Film natürlich ganz anders gemeint hat.

Das ist das Konzept für diesen Blog: Momentaufnahmen meiner Gedanken liefern. Ein Beitrag zur Psychohygiene und seelischen Gesundheit. Wenn ich meine Gedanken nicht in Stein meißele, werden sie im Nichts aufgehen und das wäre doch schade. Ich denke schon, dass ich der Welt etwas wertvolles liefern kann, scheitere aber zur Zeit noch an meinen eigenen qualitativen Ansprüchen. Doch das wird besser werden.

Lange habe ich nicht geübt und bin jetzt wieder voll drin. Es wäre natürlich einfacher ein stringentes Werk zu präsentieren, wenn ich über ein festes Thema schreiben würde, an dem ich mich auslassen könnte. Die Lebensphase der Hausarbeiten ist aber vorbei und Journalistin bin ich schließlich auch nicht geworden. Was vielleicht ganz gut ist, da diese Branche immer noch am Sterben ist.

Und doch brauchen wir Menschen, die ihre Gedanken teilen. Sonst fühlen wir uns allein mit unseren Nöten in diesem massiv überbevölkerten Ameisenhaufen. Vielleicht wäre es für die seelische Gesundheit gut an einen Ort zu ziehen, der etwas mehr Raum für das Schweifen der Gedanken ließe. An einem Strand philosophiert es sich besser als in der überfüllten S-Bahn. Dort, wo Menschen aufeinanderprallen entstehen Konflikte und somit Stress.

Das beginnt schon bei einfachen Blicken, die Irritation erzeugen können. Schaut man hin, guckt man weg, sprich mich nicht an, ich fürchte mich und doch ist die seelische Not, die durch Einsamkeit erzeugt ist, heute größer denn je. Darum habe ich mein Sozialleben zur obersten Priorität gemacht. Für die seelische Gesundheit. Gemeinschaftsgefühl ist so wichtig. Babies, die keine Liebe bekommen, sterben – warum sollte das bei Erwachsenen anders sein?

Jeder ist selbst dafür verantwortlich. Niemand kann dir die Bürde abnehmen, deine zwischenmenschlichen Bindungen in den Griff zu bekommen und gewinnbringende Beziehungen zu führen. Schon die kleinste Freundlichkeit kann so einen Unterschied machen, sie kann aber auch totale Frustration sein, wenn das Gegenüber sie als selbstverständlich ansieht (um sich hinterher über die Schlechtigkeit der Menschen auszulassen).

Niemand schuldet dir etwas. Niemand wird für immer bei dir bleiben. Das sind Fakten, mit denen man sich abfinden muss und die auch eine Befreiung sein können. Wie und warum muss jede/r für sich selbst herausfinden.

Zwischenmenschliche Beziehungen als Kunst – Warum eigentlich nicht?

Babies, die keine Liebe bekommen, sterben. Das wurde vor Jahrhunderten in einem grausamen Experiment bewiesen. Wir Menschen sind soziale Tiere und wir brauchen die Anderen, um uns selbst zu erkennen und Ordnung in unsere Gedanken zu bringen. Es gibt sprachliche Standards, an die wir uns halten müssen, um unsere Innenwelt reflektieren zu können. Das muss in meinen Augen ästhetisch verstanden werden: Form und Inhalt sind untrennbar miteinander verknüpft.

Im Umgang mit unserem Innenleben sind wir demnach Künstler. Wir formen unsere Gedanken so, dass Andere dabei etwas empfinden und uns nachvollziehen können. Alltägliche Sprechakte sind anders als Texte oder Theater spontan und improvisiert und damit eine der höchsten Formen der Kunst. Mit dieser Kunst gestalten wir zwischenmenschliche Bindungen, ein Netzwerk, das unseren Platz in der Welt bestimmt.

Ein wirklich faszinierendes Thema, auf das ich da gestoßen bin und das sich in alle Richtungen ausbauen lässt. Tatsächlich ist der Aufbau von Freundschaften und losen Kontakten ein Handwerk, das sich erlernen lässt. Es gibt da so viele Ansätze, über die ich mich noch informieren muss. Gewaltfreie Kommunikation ist nur einer davon. Auch der Umgang mit zwischenmenschlichen Konflikten lässt sich erlernen. Vor allem wird er einfacher, je mehr man reflektiert, was unbedingt vom Grübeln abgegrenzt werden muss.

Vielleicht sollte ich doch noch einmal Psychologie studieren, denn der Ansatz das menschliche Miteinander als Kunst zu betrachten, gefällt mir außerordentlich. Klar müsste ich mich auch mit ästhetischen Konzepten auseinander setzen. Und den sozialen Institutionen, die uns formen, prägen und einschränken. Was ist eigentlich Kunst, ist die nächste Frage, die zu stellen ist und die ich heute noch nicht beantworten werde.

Ab wann etwas als Kunst gilt, ist eine Frage, die viel diskutiert wird. In diese unselige Debatte werde ich einsteigen müssen. Die Geister scheiden sich immer am Können, denn dies ist nur schwer messbar. Gerade in der Psychologie wird aber versucht alles zu messen, obwohl sich der Gegenstand Mensch dem oft widersetzt.

Kommunikation und den Aufbau und Erhalt zwischenmenschlicher Beziehungen als Kunst zu verstehen, würde dazu führen, diese als erlernbar anzusehen und könnte damit ein wertvoller Beitrag sein, die seelischen Nöte vieler Menschen zu lindern. Mein Experiment Sozialleben hat also eine neue Dimension bekommen und ist umso relevanter geworden. Ich freue mich, wenn viele Menschen ihre klugen Gedanken dazu mit mir teilen.