Die Tücken der Überarbeitung

Wieder einmal bin ich damit beschäftigt, Worte aneinander zu reihen und sie kurz darauf wieder zu löschen. Ich möchte heute wirklich gerne etwas Gehaltvolles produzieren und ich mühe mich schon den ganzen Tag damit ab. Dann fand ich alte Texte, in denen so viel Stärke steckt, dass mir schon ein Bröckchen Ehrfurcht hochgekommen ist. Allerdings müssten sie überarbeitet werden und das überarbeiten ist wohl meine Stärke nicht.

Wenn man Schriftsteller danach unterscheidet, ob sie planen oder sich überraschen lassen, dann muss man Schriftsteller wohl auch danach unterscheiden, ob sie ihr Werk überarbeiten können oder nicht. Vielleicht trennt das die professionellen von den Möchtegernschriftstellern und vielleicht bin ich eben doch nur ein Amateur.

Ich kann nichts löschen. Ich möchte nichts verlieren, von dem, was ich produziert habe. Ich wähle meine Worte sorgsam und bin der Meinung, dass der kreative Erguss durch Überarbeiten getötet wird. Vielleicht brauche ich aber auch einfach nur bessere Strategien und Werkzeuge. Ich muss ja nichts löschen. Ich kann ursprüngliche Versionen aufheben und sie mit der Endversion vergleichen. Dann werden wir sehen, ob die Überarbeitung etwas bringt oder nicht.

Ich bin mit den Worten, die ich im ersten Moment wähle oft so glücklich, dass ich sie im Nachhinein nicht austauschen möchte. Ganze Absätze gefallen mir so gut, dass ich sie um jeden Preis behalten will. Sie sind doch meines Geistes Kinder. Wahrscheinlicher ist aber, dass von den vielen Sätzen, die ich produziere, nur wenige überleben sollten und diese muss ich sorgfältiger wählen.

Hallo Welt: Ein Held wird erwachsen und bleibt der Nachwelt gedanklich erhalten

Nachdem ich es geschafft habe, meine alten Blogbeiträge zu zerstören, ist es nun an der Zeit für ein neues Blog an einem Ort, an dem ich nichts kaputt machen kann. Wenn man ein antiker Superbösewicht ist, kann es schon mal passieren, dass so ein Server das Zeitliche segnet. Es war ein tragischer Unfall, wenn auch schon zum zweiten Mal.

Ein Neuanfang ist daher das Mittel der Wahl. Ich trauere dem Verlust nicht hinterher. Es war zwar Großartiges dabei, aber auch viel Gedankenmüll und es ist vielleicht besser, wenn manche Erinnerungen dem Zahn der Zeit zum Opfer fallen. Da ich aber auch jemand bin, der gerne Archive anwachsen sieht, mache ich einfach weiter, als ob nichts geschehen wäre.

Der Neuanfang erstreckt sich nicht nur auf das Bloggen, sondern betrifft mein Leben im Allgemeinen, wenn ich so darüber nachdenke. Ich habe erstmals eine Vollzeitbeschäftigung aufgenommen und gehöre nun der Erwachsenenwelt an. Superhelden brauchen vielleicht länger um erwachsen zu werden, aber irgendwann ist es auch bei uns so weit.

Diese Worte möchte ich als „Hallo Welt“ in den Raum stellen und zukünftig vorbildlich jedes Wochenende von meinen Abenteuern berichten. Die meisten dieser Abenteuer werden nur in meinem Kopf stattfinden, aber wir wissen ja mittlerweile, dass sie deswegen nicht weniger real sind.

Mehr möchte ich zu diesem Zeitpunkt über meine besonderen Fähigkeiten nicht offenbaren. Die geneigte Leserschaft darf sich ihrer Fantasie bedienen und mit Spannung verfolgen, wie dieses Gedankenblog sich zukünftig entwickelt. Ich bin zwar ein Fan von Plänen und Plots werde mich aber hier von der Spontanität des Moments leiten lassen. Gedankenergüsse lassen sich nicht planen. Ob sie literarisch wertvoll sind, sollen Andere beurteilen.

Mir kommt es darauf an, mich um mein schriftstellerisches Talent zu kümmern und ihm ein paar weiße Seiten zur Verfügung zu stellen, mit denen es spielen kann. Wenn von 10 Texten einer gut ist oder auch nur Auszüge davon, wird mich das mit Dankbarkeit erfüllen und meinem Ehrgeiz vielleicht neue Gipfel bieten.

Ich träume davon, dass die Nachwelt meine Worte zu schätzen weiß, so wie ich die vielen Äußerungen früherer Autoren in mich aufgesogen habe. Ob eine Geschichte dabei herauskommt, ein Sachtext oder gar etwas Philosophisches, ist mir ganz egal. Die Grenzen sind ohnehin fließend.

Man hat mich überzeugt, dass man mit einem selbstreferentiellen Blog nicht berühmt werden kann. Ein Bedürfnis muss man erfüllen und eine Nische finden, in der man Mehrwert produzieren kann. Mehrwert habe ich aber nicht zu bieten. Schon allein deswegen nicht, weil ich mich weigere, meinem Geist Grenzen aufzuerlegen. Das ist vielleicht zu viel für einige, zu konfus für andere und zu langweilig für die allermeisten. Wir werden sehen.