Unvollständige unfertige unsichere Philosophin

Ich sehe mich immer noch als Philosophin. Oder vielleicht auch wieder. Denn ohne Philosophie geht es irgendwie nicht. Die seltenen Momente, in denen ich geeignete Gesprächspartner finde, geben mir einfach alles. Und so sehe ich, dass ich meinem Schicksal nicht entkommen kann.

In irgendeiner Form muss ich das, was in mir steckt, kanalisieren. Und die Form ist wirklich das jenige, was mir am meisten Probleme bereitet. Wo fange ich an? Wo höre ich auf? Dinge haben Grenzen und so ist das auch mit Texten. Oder wird es am Ende doch ein Podcast?

Ich hasse ja Podcasts. Meiner Ansicht nach sind sie zu 90% dummes Gelaber. Und ich mag mir das nicht anhören. Wie unfassbar arrogant kann man bitte sein? Dabei habe ich auch schon gute Podcasts gehört und es gibt gar keinen Grund so einen allgemeinen Hass auf dieses Medium zu haben.

Ich werde ab sofort versuchen, hier wieder täglich zu schreiben. Fragmente, Fetzen, Unfertiges. Für die große Kunst – haha – habe ich einen anderen Ort. Es tut weh, sich so unfähig zu fühlen. Aber vielleicht ist diese Art von Demut genau die richtige Einstellung.

Sollte ich jemals einen Podcast starten, so wird im Titel auf jeden Fall das Wort Nichtwissen vorkommen.

Vielleicht würde mir eine – wie auch immer geartete – Lehrtätigkeit wirklich helfen, Struktur in das ganze Chaos zu bringen. Ich hätte dann einen Grund, eine Motivation und vielleicht sogar Leserinnen für meine Texte/Werke.

Zwischenmenschliche Beziehungen als Kunst – Warum eigentlich nicht?

Babies, die keine Liebe bekommen, sterben. Das wurde vor Jahrhunderten in einem grausamen Experiment bewiesen. Wir Menschen sind soziale Tiere und wir brauchen die Anderen, um uns selbst zu erkennen und Ordnung in unsere Gedanken zu bringen. Es gibt sprachliche Standards, an die wir uns halten müssen, um unsere Innenwelt reflektieren zu können. Das muss in meinen Augen ästhetisch verstanden werden: Form und Inhalt sind untrennbar miteinander verknüpft.

Im Umgang mit unserem Innenleben sind wir demnach Künstler. Wir formen unsere Gedanken so, dass Andere dabei etwas empfinden und uns nachvollziehen können. Alltägliche Sprechakte sind anders als Texte oder Theater spontan und improvisiert und damit eine der höchsten Formen der Kunst. Mit dieser Kunst gestalten wir zwischenmenschliche Bindungen, ein Netzwerk, das unseren Platz in der Welt bestimmt.

Ein wirklich faszinierendes Thema, auf das ich da gestoßen bin und das sich in alle Richtungen ausbauen lässt. Tatsächlich ist der Aufbau von Freundschaften und losen Kontakten ein Handwerk, das sich erlernen lässt. Es gibt da so viele Ansätze, über die ich mich noch informieren muss. Gewaltfreie Kommunikation ist nur einer davon. Auch der Umgang mit zwischenmenschlichen Konflikten lässt sich erlernen. Vor allem wird er einfacher, je mehr man reflektiert, was unbedingt vom Grübeln abgegrenzt werden muss.

Vielleicht sollte ich doch noch einmal Psychologie studieren, denn der Ansatz das menschliche Miteinander als Kunst zu betrachten, gefällt mir außerordentlich. Klar müsste ich mich auch mit ästhetischen Konzepten auseinander setzen. Und den sozialen Institutionen, die uns formen, prägen und einschränken. Was ist eigentlich Kunst, ist die nächste Frage, die zu stellen ist und die ich heute noch nicht beantworten werde.

Ab wann etwas als Kunst gilt, ist eine Frage, die viel diskutiert wird. In diese unselige Debatte werde ich einsteigen müssen. Die Geister scheiden sich immer am Können, denn dies ist nur schwer messbar. Gerade in der Psychologie wird aber versucht alles zu messen, obwohl sich der Gegenstand Mensch dem oft widersetzt.

Kommunikation und den Aufbau und Erhalt zwischenmenschlicher Beziehungen als Kunst zu verstehen, würde dazu führen, diese als erlernbar anzusehen und könnte damit ein wertvoller Beitrag sein, die seelischen Nöte vieler Menschen zu lindern. Mein Experiment Sozialleben hat also eine neue Dimension bekommen und ist umso relevanter geworden. Ich freue mich, wenn viele Menschen ihre klugen Gedanken dazu mit mir teilen.