Der 12. Entwurf des inneren Kritikers

Das ist der 12. Entwurf eines Blogposts, den ich beginne. Die restlichen 11 sind in meinem Entwürfeordner und jeder einzelne von ihnen wurde von mir für Mist befunden, der nicht einmal der Gedankenmüll-Kategorie gerecht wird. So weit ist es mit mir also gekommen. Ich bilde mir ein, ich hätte meinen inneren Kritiker im Griff, muss aber sehen, dass das eine Illusion ist.

Dies wird ein Post übers Schreiben, denn das ist das Thema, was mich aktuell am meisten interessiert. Schreiben unter Zeitdruck funktioniert scheinbar ganz gut für mich, wobei ich mit Zeitdruck keinen Abgabetermin meine, sondern eine festgelegte Zeitspanne, die ich dafür nutzen kann. Eine Dreiviertelstunde vor der Arbeit – mehr steht nicht zur Verfügung.

So drücke ich also auf die Tube und gucke, was aus ihr rauskommt. Manchmal ist das verhältnismäßig viel, eine Seite ist das Maximum, das ich pro Tag schaffe. Manchmal muss ich quetschen und es kommt doch nichts heraus. So eine Kreativitätstube ist eine schöne Metapher, die ich gleich neben meiner Zahnpasta aufbewahren werde.

Was aber mache ich mit meinem inneren Kritiker? Ich versuche ihn zu besänftigen, indem ich ihm Mülleimer wie den Entwürfeordner gebe, in dem ich meine halbgaren Lebensweisheiten begraben kann. Es ist gut zu wissen, dass Kunst wie Teig aufgehen muss und man nicht alle zwei Minuten am Ofen rütteln muss, um zu sehen, ob sie schon gar ist.

Ich versuche mir ein Rezept für meinen Kuchen auszudenken. Planen, schreiben, backen und nach anderthalb Jahren sollte der Kuchen gar sein. Da ich bisher erst 6 Wochen an ihm rumwerkele, verspüre ich noch keinen existentiellen Druck ihn fertig zu kriegen. Anders sieht das bei meinen Blogposts aus, für die ich keinen zeitlichen Rahmen habe.

Wochenende bedeutet unendlich viel Zeit um Gedankenmist zu produzieren und jetzt habe ich auch noch Urlaub, den ich hoffentlich etwas produktiver nutzen werde. Vormittags schreiben, nachmittags spaßige Aktivitäten – soweit der Plan. Mein Blog ist als Sidequest gedacht. Ein Gefäß, in das ich Metagedanken entleere und so möchte ich das auch weiter handhaben.

Daher drücke ich jetzt einfach den Veröffentlichen-Button und zeige meinem inneren Kritiker den Stinkefinger. Soll er doch sauer sein. Ja, auch auf die Überschrift.

Aus der Schreibwerkstatt

Ich möchte immer noch jemand anderes sein. Auf dem Papier. In einer Geschichte. Aber erstmal bin ich noch ich selbst und verarbeite mein eigenes Leben. Es gibt so vieles, das erzählt werden will und wenn dieser Stoff erst einmal erschöpft ist, werde ich mich daran machen, andere Lebensformen auszutesten.

Es ist offenkundig nicht so leicht, gewohntes Terrain zu verlassen und durch die Brille eines anderen Menschen zu blicken. Ich vermute, dass es eines Prozesses der Abkapselung erfordert. Viele Schreibübungen später kann ich dann auf erfundene Erfahrungen zurückgreifen, zur Zeit möchte ich noch reale Erlebnisse aufschreiben.

Ich habe mit meiner ersten Geschichte angefangen. 3 Kapitel habe ich bereits geschrieben. 12 habe ich mir zum Ziel gesetzt, was ich dann damit anfange, werde ich sehen. Vermutlich wird alles noch einmal umgewandelt werden müssen, sortiert und bearbeitet. Zur Zeit ist alles noch etwas chaotisch, was die Geschichte aber auch interessant macht.

Ich habe auch schon Ideen für eine Fantasy-Geschichte. Das ist eigentlich mein großes Ziel. Dafür übe ich zur Zeit noch, wie für einen Marathon. Das Training ist ebenso Teil des Prozesses, wie der eigentliche Wettbewerb. Es gibt noch vieles, was ich lernen muss und ich weiß nicht, wie lange ich brauchen werde, ehe ich meine erste richtig gute Geschichte schreiben werde.

Dass ich eine gute Geschichte schreiben können werde, ist mir völlig klar. Und wenn es 10 Jahre dauert, ich werde es tun. Ich habe mich so intensiv mit Kreativität und Kunst beschäftigt, dass ich genau weiß, wie ich an die Sache herangehen muss und lerne jetzt nur noch das spezifisch literarische Handwerk, das mir fehlt.

Insofern steht die Erforschung von Kommunikation aktuell nicht auf Platz 1 meiner Prioritätenliste, aber doch immer noch auf einer recht hohen Position. Was ich mit diesem Blog bezwecken möchte, weiß ich auch nicht. Es hat sich nach nur 5 Beiträgen in eine ganz andere Richtung entwickelt, als erwartet. Trotzdem möchte ich wöchentlich Artikel verfassen, einfach um zu sehen, was aus mir an interessanten Gedanken herauskommt.

Es ist eine Spielwiese für meine Gedanken und für mögliche Projekte. Fiktional schreibe ich anders wo, hier lasse ich meine Fähigkeiten als Essayistin spielen und schreibe meine Gedanken auf. Ein Tagebuch ist es trotzdem nicht. Auch das führe ich anderswo. Ich möchte dieses Blog an keine große Glocke hängen und mich hier frei austoben können. Die geneigte Leserschaft wird sich mit der Zeit schon einstellen und wenn nicht, dann eben nicht.

Was ich brauche, ist ein neuer Künstlername. Das hat aber auch noch Zeit. Schließlich wird die Veröffentlichung meiner Kunst frühestens in anderthalb Jahren stattfinden. Diesen zeitlichen Rahmen habe ich mir zunächst gesetzt, um genug Zeit für das Training und Verfeinern meiner Fähigkeiten zu haben. Vielleicht wird man den Fortschritt auch hier auf dem Blog verfolgen können. Meine Texte werden sicher mit der Zeit besser – ich habe zu lange ausgesetzt.

Kreative Pausen sind aber dann und wann gut und ich kann wirklich nicht sagen, dass ich 5 Jahre nicht geschrieben habe. De facto habe ich jeden Tag geschrieben. Zwar nur Morgenseiten, aber ich habe geschrieben, geschrieben und geschrieben. Meinem Stil hat das sicher gut getan und auch wenn ich nur wenig Gehaltvolles zustande gebracht habe, kann ich doch auf eine große Materialsammlung blicken, die ich nun nach und nach ausarbeite.

In mir leben 2-3 Hauptfiguren, die darauf warten endlich ihre eigene Geschichte zu bekommen. Klar kann das einen schon mal aus dem Konzept bringen, wenn in deinem eigenen Kopf fremde Perspektiven ein Eigenleben entwickeln. Gut, dass ich das mittlerweile so klar erkenne und den Kopfmitbewohnern nun eigenen Lebensraum zugestehe. Wenn andere Leute meinen, mein Kopf arbeite zu schnell, so lässt sich das nur auf deren Beschränktheit zurückführen.

Jemand anderes sein

Ich habe mich jetzt der Idee verschworen, Fiktion zu produzieren, wenn auch nicht hier. Daher werde ich wohl noch öfter über Kunst nachdenken müssen. Vielleicht werde ich auch andere interessante Themen recherchieren müssen, wie zum Beispiel bestimmte Städte oder Lebenserfahrungen anderer Menschen. Darauf freue ich mich ein bisschen.

Ich denke, das Schreiben ist eine gute Arbeit, die mir nicht schwer fallen dürfte. Gleichzeitig habe ich aber auch wenig Erfahrung im kreativen Schreiben und muss wohl noch viel üben, ehe ich etwas Gehaltvolles zustande bringe. Darum werde ich mich mit Schreibübungen und Schreibkursen beschäftigen und meine sprachlichen Ausdrucksfähigkeiten schulen.

Ich habe gerade neulich erst wieder festgestellt, dass ich einen sehr aktiven Geist habe. Es fällt mir leicht mich in andere hineinzuversetzen und auch meine Fantasie, meine Träume, sind in letzter Zeit lebhafter geworden. Es ist also an der Zeit tief in das Geistesleben einer anderen Person abzutauchen. Diese Person wird mir ähnlich sein, ich kann schließlich aus meinem Kopf nicht raus, aber ich werde auch versuchen, ihr andere Charakterzüge zu geben, sodass sie anders agiert und andere Entscheidungen trifft, als ich. Das ist auch ein Beitrag zu meiner eigenen Welterfahrung, gibt es mir doch Möglichkeiten auszuprobieren, ein anderes Verhalten an den Tag zu legen und mögliche Reaktionen durchzuspielen.

Ich möchte nicht jemand anderes sein. Ich möchte jemand anderen spielen. Nicht im alltäglichen Leben. Damit könnte man böse auf die Schnauze fallen. Deswegen soll es im Rahmen eines Experiments geschehen. Vielleicht werde ich mich dadurch aber auch verändern können. Es wird mir Möglichkeiten geben, meinen Verhaltensradius zu erweitern. Darum möchte ich es ausprobieren.

Ich habe ein bisschen Angst zu tief in eine andere Person abzutauchen und mich selbst zu verlieren, daher muss ich eine künstlerische Distanz wahren. Es ist gut mir diese Dinge im Voraus zu überlegen. Auf dem Papier überlegen, kann ich gut. Jetzt ist es an der Zeit auf dem Papier auszuprobieren und meine Psychohygiene auf ein neues Level zu heben. Wie weit kann ich mich von mir selbst entfernen ohne mir untreu zu werden? Kann ich andere Werte annehmen und aus anderen Perspektiven auf die Welt blicken?

Wenn ich es so beschreibe, klingt es wie ein Spiel und es soll ja auch Spaß machen. Solange ich aber auf der Metaebene bleibe und nur darüber nachdenke, wie es wäre, in die Haut von jemand anderem zu schlüpfen, wird aber nichts passieren und es wird sich auch nichts ändern. Ich hoffe, ich schaffe den Sprung bald und ich hoffe, dass die Übungen mir helfen werden. Es ist an der Zeit nicht mehr um den heißen Brei rumzureden und endlich anzufangen.

Zwischenmenschliche Beziehungen als Kunst – Warum eigentlich nicht?

Babies, die keine Liebe bekommen, sterben. Das wurde vor Jahrhunderten in einem grausamen Experiment bewiesen. Wir Menschen sind soziale Tiere und wir brauchen die Anderen, um uns selbst zu erkennen und Ordnung in unsere Gedanken zu bringen. Es gibt sprachliche Standards, an die wir uns halten müssen, um unsere Innenwelt reflektieren zu können. Das muss in meinen Augen ästhetisch verstanden werden: Form und Inhalt sind untrennbar miteinander verknüpft.

Im Umgang mit unserem Innenleben sind wir demnach Künstler. Wir formen unsere Gedanken so, dass Andere dabei etwas empfinden und uns nachvollziehen können. Alltägliche Sprechakte sind anders als Texte oder Theater spontan und improvisiert und damit eine der höchsten Formen der Kunst. Mit dieser Kunst gestalten wir zwischenmenschliche Bindungen, ein Netzwerk, das unseren Platz in der Welt bestimmt.

Ein wirklich faszinierendes Thema, auf das ich da gestoßen bin und das sich in alle Richtungen ausbauen lässt. Tatsächlich ist der Aufbau von Freundschaften und losen Kontakten ein Handwerk, das sich erlernen lässt. Es gibt da so viele Ansätze, über die ich mich noch informieren muss. Gewaltfreie Kommunikation ist nur einer davon. Auch der Umgang mit zwischenmenschlichen Konflikten lässt sich erlernen. Vor allem wird er einfacher, je mehr man reflektiert, was unbedingt vom Grübeln abgegrenzt werden muss.

Vielleicht sollte ich doch noch einmal Psychologie studieren, denn der Ansatz das menschliche Miteinander als Kunst zu betrachten, gefällt mir außerordentlich. Klar müsste ich mich auch mit ästhetischen Konzepten auseinander setzen. Und den sozialen Institutionen, die uns formen, prägen und einschränken. Was ist eigentlich Kunst, ist die nächste Frage, die zu stellen ist und die ich heute noch nicht beantworten werde.

Ab wann etwas als Kunst gilt, ist eine Frage, die viel diskutiert wird. In diese unselige Debatte werde ich einsteigen müssen. Die Geister scheiden sich immer am Können, denn dies ist nur schwer messbar. Gerade in der Psychologie wird aber versucht alles zu messen, obwohl sich der Gegenstand Mensch dem oft widersetzt.

Kommunikation und den Aufbau und Erhalt zwischenmenschlicher Beziehungen als Kunst zu verstehen, würde dazu führen, diese als erlernbar anzusehen und könnte damit ein wertvoller Beitrag sein, die seelischen Nöte vieler Menschen zu lindern. Mein Experiment Sozialleben hat also eine neue Dimension bekommen und ist umso relevanter geworden. Ich freue mich, wenn viele Menschen ihre klugen Gedanken dazu mit mir teilen.

Musical Monday – Ohrbooten

Im Musical Monday stelle ich immer montags eine Musikerin, einen Musiker oder eine Band vor, die mich berührt, bewegt oder sonstwie inspiriert hat.

Heute habe ich die Ohrbooten 🙂

Ich hatte sie ehrlich gesagt schon fast vergessen, bis ich neulich an eine Textzeile von ihnen erinnert wurde. Ich hab echt lange gebraucht, um sie der richtigen Band zuzuordnen, aber dann machte ich gleich einen kleinen Luftsprung vor Freude.

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Musical Monday – Shakira

In der neuen Rubrik Musical Monday möchte ich ab sofort immer montags eine Musikerin, einen Musiker oder eine Band vorstellen, die mich berührt, bewegt oder sonstwie inspiriert hat.

Ich beginne den fröhlichen Reigen mit Shakira. Sie war wohl die allererste Künstlerin überhaupt, die mich begeisterte und in ihren Bann zog.

Obwohl die Frau zum Teil auch viel Mist gemacht hat, bei dem sich mir die Fußnägel hochrollen, so sind darunter doch Perlen, für die ich alles andere verzeihe.
So wie diese hier:

Das Album Laundry Service habe ich seinerzeit (noch auf Kassette) rauf und runter gehört.

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