Von Thema zu Thema hüpfen

Vielleicht sollte ich mit diesem Blog eine ganz andere Richtung einschlagen, als ursprünglich geplant. Vorgenommen hatte ich mir, geistvolle Gedanken und bissige Kommentare von mir zu geben. Stattdessen erwische ich mich dabei, wie ich Plattitüden über meine Generation wiederhole.

Ich habe nichts besseres zu tun, als mich in die Klassifizierungsversuche einzureihen, um einer Ansammlung von Gleichaltrigen ein neues Label aufzukleben. Kein Wunder, dass ich mich zu Tode langweile. Sollte ich aber deswegen nur noch über Schreiben schreiben und meine Gedanken über die Welt zurückhalten?

Ich schreibe, schreibe und schreibe, aber nichts kann meinen inneren Kritiker überzeugen. Das zeigt mir, dass ich zu wenig geschrieben habe und noch nicht genug Distanz zwischen mir und meinen Texten liegt. Warum bin ich meinen Blogposts gegenüber nur so perfektionistisch eingestellt? Einen hatte ich, der gut war. Jetzt muss ich mich für immer daran messen?

Gedankenmist muss doch nicht preisverdächtig sein und trotzdem möchte ich, dass meine Texte stringent sind und innerlich schlüssig, was nicht dasselbe ist. Es nervt mich, dass ich von Thema zu Thema hüpfe und keine Argumentation zusammen kriege. Vielleicht fehlt mir ein Thema, ein roter Faden, eine Gliederung. Dann könnte ich die Leerstellen mit Leben füllen.

Der 12. Entwurf des inneren Kritikers

Das ist der 12. Entwurf eines Blogposts, den ich beginne. Die restlichen 11 sind in meinem Entwürfeordner und jeder einzelne von ihnen wurde von mir für Mist befunden, der nicht einmal der Gedankenmüll-Kategorie gerecht wird. So weit ist es mit mir also gekommen. Ich bilde mir ein, ich hätte meinen inneren Kritiker im Griff, muss aber sehen, dass das eine Illusion ist.

Dies wird ein Post übers Schreiben, denn das ist das Thema, was mich aktuell am meisten interessiert. Schreiben unter Zeitdruck funktioniert scheinbar ganz gut für mich, wobei ich mit Zeitdruck keinen Abgabetermin meine, sondern eine festgelegte Zeitspanne, die ich dafür nutzen kann. Eine Dreiviertelstunde vor der Arbeit – mehr steht nicht zur Verfügung.

So drücke ich also auf die Tube und gucke, was aus ihr rauskommt. Manchmal ist das verhältnismäßig viel, eine Seite ist das Maximum, das ich pro Tag schaffe. Manchmal muss ich quetschen und es kommt doch nichts heraus. So eine Kreativitätstube ist eine schöne Metapher, die ich gleich neben meiner Zahnpasta aufbewahren werde.

Was aber mache ich mit meinem inneren Kritiker? Ich versuche ihn zu besänftigen, indem ich ihm Mülleimer wie den Entwürfeordner gebe, in dem ich meine halbgaren Lebensweisheiten begraben kann. Es ist gut zu wissen, dass Kunst wie Teig aufgehen muss und man nicht alle zwei Minuten am Ofen rütteln muss, um zu sehen, ob sie schon gar ist.

Ich versuche mir ein Rezept für meinen Kuchen auszudenken. Planen, schreiben, backen und nach anderthalb Jahren sollte der Kuchen gar sein. Da ich bisher erst 6 Wochen an ihm rumwerkele, verspüre ich noch keinen existentiellen Druck ihn fertig zu kriegen. Anders sieht das bei meinen Blogposts aus, für die ich keinen zeitlichen Rahmen habe.

Wochenende bedeutet unendlich viel Zeit um Gedankenmist zu produzieren und jetzt habe ich auch noch Urlaub, den ich hoffentlich etwas produktiver nutzen werde. Vormittags schreiben, nachmittags spaßige Aktivitäten – soweit der Plan. Mein Blog ist als Sidequest gedacht. Ein Gefäß, in das ich Metagedanken entleere und so möchte ich das auch weiter handhaben.

Daher drücke ich jetzt einfach den Veröffentlichen-Button und zeige meinem inneren Kritiker den Stinkefinger. Soll er doch sauer sein. Ja, auch auf die Überschrift.