Von Thema zu Thema hüpfen

Vielleicht sollte ich mit diesem Blog eine ganz andere Richtung einschlagen, als ursprünglich geplant. Vorgenommen hatte ich mir, geistvolle Gedanken und bissige Kommentare von mir zu geben. Stattdessen erwische ich mich dabei, wie ich Plattitüden über meine Generation wiederhole.

Ich habe nichts besseres zu tun, als mich in die Klassifizierungsversuche einzureihen, um einer Ansammlung von Gleichaltrigen ein neues Label aufzukleben. Kein Wunder, dass ich mich zu Tode langweile. Sollte ich aber deswegen nur noch über Schreiben schreiben und meine Gedanken über die Welt zurückhalten?

Ich schreibe, schreibe und schreibe, aber nichts kann meinen inneren Kritiker überzeugen. Das zeigt mir, dass ich zu wenig geschrieben habe und noch nicht genug Distanz zwischen mir und meinen Texten liegt. Warum bin ich meinen Blogposts gegenüber nur so perfektionistisch eingestellt? Einen hatte ich, der gut war. Jetzt muss ich mich für immer daran messen?

Gedankenmist muss doch nicht preisverdächtig sein und trotzdem möchte ich, dass meine Texte stringent sind und innerlich schlüssig, was nicht dasselbe ist. Es nervt mich, dass ich von Thema zu Thema hüpfe und keine Argumentation zusammen kriege. Vielleicht fehlt mir ein Thema, ein roter Faden, eine Gliederung. Dann könnte ich die Leerstellen mit Leben füllen.

Meine neue Schreibroutine 2020

Es geht voran mit mir und meinem Roman. Ich habe eine neue Routine eingeführt, mit deren Hilfe ich diese Woche schon fast 2500 Wörter geschrieben habe. Das macht mich stolz und wenn ich mir meinen Text durchlese, bin ich auch stolz. Er weicht zwar in etlichen Punkten von meinem Plan ab, aber er macht trotzdem Spaß und das ist doch die Hauptsache.

Ich möchte das Schreiben in diesem Jahr gern zur Hauptpriorität in meinem Leben machen. Morgens schreiben und Nachmittags/Abends planen und Ideen sammeln. Ich beackere auch weiterhin den Grundlagenkurs, mit dem ich hoffentlich bald durch bin. Dann werde ich ab Februar mit dem Aufbaukurs weitermachen. Ich habe mir gestern noch einmal die Inhalte angeschaut und möchte ihn auf jeden Fall absolvieren. Auch wenn ich nicht weiß, wo ich das zeitlich noch einschieben kann.

Es ist ja immer schwer, sich nicht mit Anderen zu vergleichen. Andere schreiben pro Tag 1700 Wörter, ich schaffe nur zwischen 200 und 700. Andere schreiben in einem Monat 40000 Wörter, ich schaffe gerade mal 6000. Andere gehen Abends aus, ins Konzert, üben Violine oder machen Sport. Ich sitze zu Hause und erhole mich von meinem Alltag. Ich schaffe es auch im Urlaub nicht 2-4 Stunden zu schreiben.

Aber ich habe entschieden, mich deswegen nicht verrückt zu machen. Ich konzentriere mich ganz auf mich selbst und wenn ich heute mehr schreibe als gestern, freue ich mich. Wenn nicht, ist es auch egal. Wieviel ich schreibe, ist eigentlich nicht wesentlich. Hauptsache ich tue es. Wenn ich pro Tag nur 200 Wörter schreibe, sind das doch pro Woche fast 1500 und damit pro Monat 6000.
Das sind ungefähr 25 Seiten. In einem Jahr hätte ich dann 300 Seiten. So lässt sich selbst mit dem absoluten Minimum etwas anfangen, wenn man es nur konsequent durchzieht.

Vielleicht sollte ich meinen monatlichen Rekord dokumentieren. Wenn ich meine Routine beibehalte, werde ich vielleicht nach und nach mehr schreiben. Zumindest erhoffe ich mir das. Jetzt schreibe ich noch wenig, aber bald schreibe ich schon viel mehr. Das hat bereits in dieser ersten Woche funktioniert. Zu Beginn schaffte ich keine 300 Wörter und in den letzten beiden Tagen waren es schon mehr als 700 pro Tag.

Jetzt habe ich auch facebook-Freunde, mit denen ich mich inhaltlich über meine Texte austauschen kann. So macht das Schreiben gleich doppelt Spaß und die Motivation steigt auch.

Der ultimative Masterplan | Das Wachsen des Ideenbaums

Es ist so, dass ich etwas schreiben möchte. Aber ich weiß nicht was. Es sollte eine nie dagewesene Story werden, die der Leser nicht mehr aus der Hand legen kann. Das ist das große Ziel. Der Masterplan quasi. Ich weiß aber auch, dass ich auf diesem Weg noch viele Schritte gehen muss und wahrscheinlich auch Hindernisse zu überwinden sind.

Ich beginne damit einen Schreibkurs zu machen. Mein erstes Romanprojekt stelle ich hinten an, da ich es nicht mehr sehen mag. Ich habe es für schlecht befunden. Es ist zu realistisch und ich selbst würde so ein Buch nicht lesen wollen. Ich behalte es aber im Hinterkopf, werde es gelegentlich gießen und darauf hoffen, dass es irgendwann austreibt.

Jetzt widme ich mich erst einmal der Verfeinerung meiner Fähigkeiten. Die erste Lektion ist abgeschlossen, die zweite wartet schon auf mich und ich kann es kaum erwarten, endlich mit ihr durchzustarten. Es geht um Ideenfindung. Das ist gerade das, woran ich momentan strauchele.

Die Ideen fliegen durch meinen Kopf, wie ein Sternschnuppenschwarm und lassen sich nicht greifen. Ich weiß, dass sie da sind und gelegentlich ziehen sie auch an meinem Bewusstsein vorbei. Doch bekomme ich sie einfach nicht zu fassen. Es sind erst einmal einzelne Ideen, doch lässt man sich auf deren Betrachtung ein, geht schon bald ein ganzer Schauer nieder.

So langsam nehmen einzelne Ideenstränge Form an, aber es ist immer noch viel zu vage, um ein ernsthaftes Projekt zu sein. Ich fürchte, ich werde mich noch sehr lange mit dieser halbgaren Form beschäftigen, aber das ist auch schön. Es macht Spaß, rumzuspinnen, Ideen zu sammeln und wieder zu verwerfen, in die Eine, dann in die Andere Richtung zu denken und dabei zu versuchen, etwas in eine Form zu gießen.

Eigentlich ist es eher wie Blumen gießen. Jeden Tag sprießt ein neuer Trieb. Ich bin fasziniert und berauscht zu gleich, sauge gierig alles in mich ein und versuche nicht den Überblick zu verlieren. Es ist schön, dass ich nun klar definierte Übungsaufgaben absolviere um in der Freizeit davon, den Geist schweifen lassen zu können und erstmal einfach nur Material anzuhäufen.

Zwei Schritte vor, ein Schritt zurück

So viele angefangene Blogposts, die ich weder zu Ende bringen, noch veröffentlichen möchte. Zum aktuellen Zeitpunkt 11. Später werde ich sie mir vielleicht einen nach dem anderen voller Freude vornehmen und verfeiern können, wie eine gute Sauce, die man mit Sahne andickt. Vielleicht aber auch nicht. Schön, wenn meine Blogposts qualitativ hochwertiger werden, als der Senf, den so manch anderer seinem Essen hinzufügt. Aber ist das wahrscheinlich?

Ich habe in der letzten Woche versucht, mal wirklich frei eine Geschichte zu entwickeln, anstatt immer nur Durchschnittlichkeit wiederzukäuen. Warum nur wollte ich meine Protagonistin so normal wie möglich machen? Sie langweilt mich selbst tödlichst. Stattdessen habe ich meine Gedanken kreisen lassen und ihnen keinerlei Grenzen aufgesetzt. Ich sollte das wirklich öfter tun, anstatt mich auf vorgefertigte Produktionsmuster zu verlassen.

Das kommt davon, wenn man auf Schreibratgeber hört. Am Anfang der Geschichte muss eine unterentwickelte Persönlichkeit stehen, die im Laufe der Geschichte wachsen kann. Was aber, wenn meine Figur so langweilig ist, dass niemand sich für sie interessiert? Nicht mal ich selbst.

Ich fürchte, das Trial und Error Verfahren wird mich meinem Romanziel nur in Babyschritten näher bringen. Ich bin stolz auf meinen inneren Kritiker, der mich vor unzähligen Verfehlungen bewahrt. Gleichzeitig bin ich froh, dass ich auch weiß, wie ich ihn zum Verstummen bringen kann. Nicht alles muss perfekt sein, darin bin ich mir mit ihm einig. Aber das, was ich präsentiere, soll bitte so gut wie möglich sein. Auch hierin sehe ich nichts Verwerfliches.

Also habe ich entschieden einen Schreibkurs zu machen. Ich brauche professionelle Anleitung, um mein Ziel erreichen zu können. Ich brauche Praxis, Feedback und einen geschützten Rahmen, in dem ich Fehler machen kann. Zeit habe ich für so ein Projekt eigentlich nicht. Mein Roman schreibt sich schließlich nicht von allein. Aber ich habe beschlossen, meine Prioritäten für eine Weile anders zu setzen.

12 Wochen geht der Grundlagenkurs und ich hoffe sehr, dass ich erstens schaffe dranzubleibe und zweitens viel daraus mitnehmen kann. Nach wie vor bin ich ein Amateur in kreativem Schreiben. Die Ratgeber, die ich gelesen habe, helfen mir nicht viel, da mir vor allem die Praxis fehlt.

Ich kann es nur wiederholen: Der erste Roman ist für die Tonne, der zweite ist für die Schublade und den dritten kann man vielleicht für irgendetwas gebrauchen. So muss ich also mindestens 3 Romane verfassen, ehe ich mir selbst Erfolg gönne.

Ich bin entschlossen, dieses Projekt durchzuziehen, koste es was es wolle. 6 Wochen habe ich investiert und das ist erst der Anfang. Drei Projekte begonnen – alle hängen jetzt in der Schwebe. Aber so ist es nunmal mit der Kreativität. 2 Schritte vor, ein Schritt zurück.

Jemand anderes sein

Ich habe mich jetzt der Idee verschworen, Fiktion zu produzieren, wenn auch nicht hier. Daher werde ich wohl noch öfter über Kunst nachdenken müssen. Vielleicht werde ich auch andere interessante Themen recherchieren müssen, wie zum Beispiel bestimmte Städte oder Lebenserfahrungen anderer Menschen. Darauf freue ich mich ein bisschen.

Ich denke, das Schreiben ist eine gute Arbeit, die mir nicht schwer fallen dürfte. Gleichzeitig habe ich aber auch wenig Erfahrung im kreativen Schreiben und muss wohl noch viel üben, ehe ich etwas Gehaltvolles zustande bringe. Darum werde ich mich mit Schreibübungen und Schreibkursen beschäftigen und meine sprachlichen Ausdrucksfähigkeiten schulen.

Ich habe gerade neulich erst wieder festgestellt, dass ich einen sehr aktiven Geist habe. Es fällt mir leicht mich in andere hineinzuversetzen und auch meine Fantasie, meine Träume, sind in letzter Zeit lebhafter geworden. Es ist also an der Zeit tief in das Geistesleben einer anderen Person abzutauchen. Diese Person wird mir ähnlich sein, ich kann schließlich aus meinem Kopf nicht raus, aber ich werde auch versuchen, ihr andere Charakterzüge zu geben, sodass sie anders agiert und andere Entscheidungen trifft, als ich. Das ist auch ein Beitrag zu meiner eigenen Welterfahrung, gibt es mir doch Möglichkeiten auszuprobieren, ein anderes Verhalten an den Tag zu legen und mögliche Reaktionen durchzuspielen.

Ich möchte nicht jemand anderes sein. Ich möchte jemand anderen spielen. Nicht im alltäglichen Leben. Damit könnte man böse auf die Schnauze fallen. Deswegen soll es im Rahmen eines Experiments geschehen. Vielleicht werde ich mich dadurch aber auch verändern können. Es wird mir Möglichkeiten geben, meinen Verhaltensradius zu erweitern. Darum möchte ich es ausprobieren.

Ich habe ein bisschen Angst zu tief in eine andere Person abzutauchen und mich selbst zu verlieren, daher muss ich eine künstlerische Distanz wahren. Es ist gut mir diese Dinge im Voraus zu überlegen. Auf dem Papier überlegen, kann ich gut. Jetzt ist es an der Zeit auf dem Papier auszuprobieren und meine Psychohygiene auf ein neues Level zu heben. Wie weit kann ich mich von mir selbst entfernen ohne mir untreu zu werden? Kann ich andere Werte annehmen und aus anderen Perspektiven auf die Welt blicken?

Wenn ich es so beschreibe, klingt es wie ein Spiel und es soll ja auch Spaß machen. Solange ich aber auf der Metaebene bleibe und nur darüber nachdenke, wie es wäre, in die Haut von jemand anderem zu schlüpfen, wird aber nichts passieren und es wird sich auch nichts ändern. Ich hoffe, ich schaffe den Sprung bald und ich hoffe, dass die Übungen mir helfen werden. Es ist an der Zeit nicht mehr um den heißen Brei rumzureden und endlich anzufangen.

Wer soll nur diese Gedankensprünge verstehen?

Wie kommt es, dass ich während des Schreibens immer denke, das ist der letzte Rotz, was ich produziere. Während ich drin stecke, kann ich mich nicht fallen lassen, auch wenn ich mich fallen lasse, weil ich mich permanent kritisiere. Die Übergänge sind nicht klar, wer soll nur diese Gedankensprünge verstehen, das kann doch niemals jemand nachvollziehen.

Doch wenn ich den Text später lese, finde ich ihn gut. Je mehr Zeit dazwischen liegt, desto besser gefällt er mir. Nur im Moment der Erschaffung will ich mich verbessern, fühle ich mich unzulänglich, im Nachhinein passt er mir. Doch wie soll ich so jemals den Moment genießen können? Wie kann ich ein Künstler sein, der den Prozess nicht liebt, der nur die verpassten Gelegenheiten sieht. Den Ton, der nicht getroffen wurde, das Thema, dass nur angestrichen und nicht tiefgründig ausdiskutiert wurde.

Ich befinde mich in einem Gedankensturm. Ich bin froh, dass ich wieder mit dem Schreiben begonnen habe. Es gibt mir so viel und so verbringe ich den Tag damit mein Innerstes nach Außen zu kehren und zumindest einen kleinen Anteil dessen, was in mir steckt, heraus zu bringen.

Ein verkappter Künstler bin ich – und davon träume ich am Ende des Tages immer noch: Dass eines Tages irgendjemand das, was ich produziere, zu würdigen weiß und mir meinen rechtmäßigen Platz in der Gesellschaft zuweist. Ich fühle mich immer noch falsch. Nicht mehr so sehr falsch wie früher, aber doch noch lange nicht richtig.