Die Revolution der Ausgestoßenen

Die Unterhaltungsindustrie ist der nächste Dorn, der mir im Auge steckt. Von überall her wird man mit Stories zugedröhnt, denen zu entkommen, fast schon ein Ding der Unmöglichkeit ist: Bücher, Filme, Serien, Computerspiele. Alles hat eine Handlung, die einen in fremde Universen hineinzieht, sogar die Werbung. Wir fiebern mit Charakteren und Figuren mit und leben durch sie – während die Realität einen höchst unbefriedigenden Kontrast dazu darstellt.

Selbst wenn man ein erfülltes und abwechslungsreiches Leben führt, findet man doch nie die steile Spannungskurve vor, die das Merkmal guter Geschichten ist. Es würde uns auch überfordern, in einer Geschichte zu leben. Ständig an seine Grenzen getrieben zu werden – wer könnte das auf Dauer aushalten? Nicht ohne Grund sind Geschichten begrenzt. Sie haben einen Anfangs- und Endpunkt. Außerhalb der Geschichte läuft das Leben des Protagonisten ruhig. Nur sieht das nie jemand.

Es ist wie mit den inszenierten Leben der Influencer auf Instagram. Wer sieht schon, ob sie sich in den Schlaf weinen oder unter der Flut negativer Kommentare zusammen brechen? Das Private ist heute alles, was Makel hat. Einerseits.

Andererseits werden aber auch immer mehr Makel in die Öffentlichkeit gezerrt und uminterpretiert. Die Person, ist dann mutig, weil sie sich so verletzlich zeigt und wird wiederum zum Helden verklärt. Ihr Makel wird ihr Markenzeichen in einer Revolution der Ausgestoßenen.

Authentisch ist das alles nicht und es kann auch niemals authentisch sein. Die Kluft zwischen medial Vermitteltem und der persönlichen Lebensrealität wächst. Weil man eben niemals dieselbe Person ist, die man öffentlich präsentiert.

Das Lustige am Ego ist doch, dass es sich selbst nicht fassen kann. Man erzählt sich eine Geschichte darüber, wer man selbst ist, aber kaum hat man einen Beitrag gepostet, ist man schon jemand ganz anderes, mit neuen Erfahrungen.

Der Schmerz von gestern ist heute nur noch eine Erinnerung. Der Schmerz von heute ist real, aber nur durch mediale Vermittlung (Worte, Bilder) teilbar. Und auf die Wirkung, von dem, was wir posten, haben wir gleich gar keinen Einfluss. Schwups, ist man ein Revolutionär.

Oder auch nicht.

Der ultimative Masterplan | Das Wachsen des Ideenbaums

Es ist so, dass ich etwas schreiben möchte. Aber ich weiß nicht was. Es sollte eine nie dagewesene Story werden, die der Leser nicht mehr aus der Hand legen kann. Das ist das große Ziel. Der Masterplan quasi. Ich weiß aber auch, dass ich auf diesem Weg noch viele Schritte gehen muss und wahrscheinlich auch Hindernisse zu überwinden sind.

Ich beginne damit einen Schreibkurs zu machen. Mein erstes Romanprojekt stelle ich hinten an, da ich es nicht mehr sehen mag. Ich habe es für schlecht befunden. Es ist zu realistisch und ich selbst würde so ein Buch nicht lesen wollen. Ich behalte es aber im Hinterkopf, werde es gelegentlich gießen und darauf hoffen, dass es irgendwann austreibt.

Jetzt widme ich mich erst einmal der Verfeinerung meiner Fähigkeiten. Die erste Lektion ist abgeschlossen, die zweite wartet schon auf mich und ich kann es kaum erwarten, endlich mit ihr durchzustarten. Es geht um Ideenfindung. Das ist gerade das, woran ich momentan strauchele.

Die Ideen fliegen durch meinen Kopf, wie ein Sternschnuppenschwarm und lassen sich nicht greifen. Ich weiß, dass sie da sind und gelegentlich ziehen sie auch an meinem Bewusstsein vorbei. Doch bekomme ich sie einfach nicht zu fassen. Es sind erst einmal einzelne Ideen, doch lässt man sich auf deren Betrachtung ein, geht schon bald ein ganzer Schauer nieder.

So langsam nehmen einzelne Ideenstränge Form an, aber es ist immer noch viel zu vage, um ein ernsthaftes Projekt zu sein. Ich fürchte, ich werde mich noch sehr lange mit dieser halbgaren Form beschäftigen, aber das ist auch schön. Es macht Spaß, rumzuspinnen, Ideen zu sammeln und wieder zu verwerfen, in die Eine, dann in die Andere Richtung zu denken und dabei zu versuchen, etwas in eine Form zu gießen.

Eigentlich ist es eher wie Blumen gießen. Jeden Tag sprießt ein neuer Trieb. Ich bin fasziniert und berauscht zu gleich, sauge gierig alles in mich ein und versuche nicht den Überblick zu verlieren. Es ist schön, dass ich nun klar definierte Übungsaufgaben absolviere um in der Freizeit davon, den Geist schweifen lassen zu können und erstmal einfach nur Material anzuhäufen.

Zwei Schritte vor, ein Schritt zurück

So viele angefangene Blogposts, die ich weder zu Ende bringen, noch veröffentlichen möchte. Zum aktuellen Zeitpunkt 11. Später werde ich sie mir vielleicht einen nach dem anderen voller Freude vornehmen und verfeiern können, wie eine gute Sauce, die man mit Sahne andickt. Vielleicht aber auch nicht. Schön, wenn meine Blogposts qualitativ hochwertiger werden, als der Senf, den so manch anderer seinem Essen hinzufügt. Aber ist das wahrscheinlich?

Ich habe in der letzten Woche versucht, mal wirklich frei eine Geschichte zu entwickeln, anstatt immer nur Durchschnittlichkeit wiederzukäuen. Warum nur wollte ich meine Protagonistin so normal wie möglich machen? Sie langweilt mich selbst tödlichst. Stattdessen habe ich meine Gedanken kreisen lassen und ihnen keinerlei Grenzen aufgesetzt. Ich sollte das wirklich öfter tun, anstatt mich auf vorgefertigte Produktionsmuster zu verlassen.

Das kommt davon, wenn man auf Schreibratgeber hört. Am Anfang der Geschichte muss eine unterentwickelte Persönlichkeit stehen, die im Laufe der Geschichte wachsen kann. Was aber, wenn meine Figur so langweilig ist, dass niemand sich für sie interessiert? Nicht mal ich selbst.

Ich fürchte, das Trial und Error Verfahren wird mich meinem Romanziel nur in Babyschritten näher bringen. Ich bin stolz auf meinen inneren Kritiker, der mich vor unzähligen Verfehlungen bewahrt. Gleichzeitig bin ich froh, dass ich auch weiß, wie ich ihn zum Verstummen bringen kann. Nicht alles muss perfekt sein, darin bin ich mir mit ihm einig. Aber das, was ich präsentiere, soll bitte so gut wie möglich sein. Auch hierin sehe ich nichts Verwerfliches.

Also habe ich entschieden einen Schreibkurs zu machen. Ich brauche professionelle Anleitung, um mein Ziel erreichen zu können. Ich brauche Praxis, Feedback und einen geschützten Rahmen, in dem ich Fehler machen kann. Zeit habe ich für so ein Projekt eigentlich nicht. Mein Roman schreibt sich schließlich nicht von allein. Aber ich habe beschlossen, meine Prioritäten für eine Weile anders zu setzen.

12 Wochen geht der Grundlagenkurs und ich hoffe sehr, dass ich erstens schaffe dranzubleibe und zweitens viel daraus mitnehmen kann. Nach wie vor bin ich ein Amateur in kreativem Schreiben. Die Ratgeber, die ich gelesen habe, helfen mir nicht viel, da mir vor allem die Praxis fehlt.

Ich kann es nur wiederholen: Der erste Roman ist für die Tonne, der zweite ist für die Schublade und den dritten kann man vielleicht für irgendetwas gebrauchen. So muss ich also mindestens 3 Romane verfassen, ehe ich mir selbst Erfolg gönne.

Ich bin entschlossen, dieses Projekt durchzuziehen, koste es was es wolle. 6 Wochen habe ich investiert und das ist erst der Anfang. Drei Projekte begonnen – alle hängen jetzt in der Schwebe. Aber so ist es nunmal mit der Kreativität. 2 Schritte vor, ein Schritt zurück.

Aus der Schreibwerkstatt

Ich möchte immer noch jemand anderes sein. Auf dem Papier. In einer Geschichte. Aber erstmal bin ich noch ich selbst und verarbeite mein eigenes Leben. Es gibt so vieles, das erzählt werden will und wenn dieser Stoff erst einmal erschöpft ist, werde ich mich daran machen, andere Lebensformen auszutesten.

Es ist offenkundig nicht so leicht, gewohntes Terrain zu verlassen und durch die Brille eines anderen Menschen zu blicken. Ich vermute, dass es eines Prozesses der Abkapselung erfordert. Viele Schreibübungen später kann ich dann auf erfundene Erfahrungen zurückgreifen, zur Zeit möchte ich noch reale Erlebnisse aufschreiben.

Ich habe mit meiner ersten Geschichte angefangen. 3 Kapitel habe ich bereits geschrieben. 12 habe ich mir zum Ziel gesetzt, was ich dann damit anfange, werde ich sehen. Vermutlich wird alles noch einmal umgewandelt werden müssen, sortiert und bearbeitet. Zur Zeit ist alles noch etwas chaotisch, was die Geschichte aber auch interessant macht.

Ich habe auch schon Ideen für eine Fantasy-Geschichte. Das ist eigentlich mein großes Ziel. Dafür übe ich zur Zeit noch, wie für einen Marathon. Das Training ist ebenso Teil des Prozesses, wie der eigentliche Wettbewerb. Es gibt noch vieles, was ich lernen muss und ich weiß nicht, wie lange ich brauchen werde, ehe ich meine erste richtig gute Geschichte schreiben werde.

Dass ich eine gute Geschichte schreiben können werde, ist mir völlig klar. Und wenn es 10 Jahre dauert, ich werde es tun. Ich habe mich so intensiv mit Kreativität und Kunst beschäftigt, dass ich genau weiß, wie ich an die Sache herangehen muss und lerne jetzt nur noch das spezifisch literarische Handwerk, das mir fehlt.

Insofern steht die Erforschung von Kommunikation aktuell nicht auf Platz 1 meiner Prioritätenliste, aber doch immer noch auf einer recht hohen Position. Was ich mit diesem Blog bezwecken möchte, weiß ich auch nicht. Es hat sich nach nur 5 Beiträgen in eine ganz andere Richtung entwickelt, als erwartet. Trotzdem möchte ich wöchentlich Artikel verfassen, einfach um zu sehen, was aus mir an interessanten Gedanken herauskommt.

Es ist eine Spielwiese für meine Gedanken und für mögliche Projekte. Fiktional schreibe ich anders wo, hier lasse ich meine Fähigkeiten als Essayistin spielen und schreibe meine Gedanken auf. Ein Tagebuch ist es trotzdem nicht. Auch das führe ich anderswo. Ich möchte dieses Blog an keine große Glocke hängen und mich hier frei austoben können. Die geneigte Leserschaft wird sich mit der Zeit schon einstellen und wenn nicht, dann eben nicht.

Was ich brauche, ist ein neuer Künstlername. Das hat aber auch noch Zeit. Schließlich wird die Veröffentlichung meiner Kunst frühestens in anderthalb Jahren stattfinden. Diesen zeitlichen Rahmen habe ich mir zunächst gesetzt, um genug Zeit für das Training und Verfeinern meiner Fähigkeiten zu haben. Vielleicht wird man den Fortschritt auch hier auf dem Blog verfolgen können. Meine Texte werden sicher mit der Zeit besser – ich habe zu lange ausgesetzt.

Kreative Pausen sind aber dann und wann gut und ich kann wirklich nicht sagen, dass ich 5 Jahre nicht geschrieben habe. De facto habe ich jeden Tag geschrieben. Zwar nur Morgenseiten, aber ich habe geschrieben, geschrieben und geschrieben. Meinem Stil hat das sicher gut getan und auch wenn ich nur wenig Gehaltvolles zustande gebracht habe, kann ich doch auf eine große Materialsammlung blicken, die ich nun nach und nach ausarbeite.

In mir leben 2-3 Hauptfiguren, die darauf warten endlich ihre eigene Geschichte zu bekommen. Klar kann das einen schon mal aus dem Konzept bringen, wenn in deinem eigenen Kopf fremde Perspektiven ein Eigenleben entwickeln. Gut, dass ich das mittlerweile so klar erkenne und den Kopfmitbewohnern nun eigenen Lebensraum zugestehe. Wenn andere Leute meinen, mein Kopf arbeite zu schnell, so lässt sich das nur auf deren Beschränktheit zurückführen.

Erster Versuch über den Realitätsgehalt von Wahnvorstellungen und Halluzinationen zu sprechen

Spätestens seit Harry Potter wissen wir, dass etwas, das nur in unserem Kopf statt findet, deswegen nicht weniger real ist. Dies ist eine meiner Lieblingsaussagen der Bücher und ich habe oft darüber nachgedacht. Schließlich bewegen wir uns in virtuellen Welten und vieles, das wir erleben, wirkt sich nicht unmittelbar auf uns aus, sprich, wir können unserem Gegenüber nicht in die Augen blicken, wir erfahren von Ereignissen aus den Nachrichten anstatt selbst dabei zu sein und wir nehmen am Leben anderer Leute über Bilder und Textschnipsel auf facebook teil.

Dabei muss ich auch an Sartre denken. Der wahre Schmerz, den wir empfinden, ist nie so stark, wie der vorgestellte Schmerz, der Schmerz der Anderen. So gesehen wäre das, was wir nicht selbst erleben, sondern intersubjektiv und medial vermittelt bekommen, stärker real als das, was wir selbst erleben. Pic or it didn’t happen, um es auf den Punkt zu bringen. Die Instagram-Generation kann ein Lied davon singen, es ist nie so cool selbst dabei zu sein, wie die Bilder in den sozialen Medien zu sehen.

Der Realitätsgehalt von Spinnereien

Spinnereien sind so gesehen auch virtuell, wenn auch nicht medial vermittelt. Bedarf es also einer Intersubjektivität um sie real zu machen? Einhörner sind das Paradebeispiel dafür, Pippi Langstrumpf wäre ein anderes. Alle kennen sie, alle lieben sie – sowohl Pippi als auch die Einhörner. Daher kann man seinen Psychosen wohl nur Realität verleihen, indem man Andere daran teilhaben lässt – ein Ding der Unmöglichkeit.

Spinnereien sind der verzweifelte Versuch des Gehirns, dem Wahrgenommenen einen Sinn zu geben und eine Geschichte daraus zu stricken. Ich möchte Mark Manson grüßen, der darüber geschrieben hat, dass unser Ego uns ständig austrickst und seine Hauptaufgabe darin besteht, uns eine stringente Geschichte über uns selbst und unsere Umwelt zu erzählen.

Wahnvorstellungen

Nichts anderes sind Wahnvorstellungen, doch fehlt ihnen ein ganz wesentliches Element: die Intersubjektivität. Die Geschichte, die du dir selbst erzählst, stimmt dann mit der Geschichte, die sich der Rest der Welt erzählt, nicht überein. Du wirst nicht von Außerirdischen verfolgt, niemand versucht dich zu vergiften und nein, du bist nicht von Gott auserwählt die Menschheit zu retten. So schade.

Wie sehr habe ich mich doch mit meiner Therapeutin über das Kriterium der Unmöglichkeit gestritten und wir haben uns glaube ich letztendlich auf Wahrscheinlichkeit geeinigt. Wer weiß denn schon, ob es wirklich unmöglich ist, von Außerirdischen verfolgt zu werden und es ist ganz sicher möglich, dass der Nachbar dich vergiften will. Aber ist es wahrscheinlich?

Darüber hinaus sind Wahnvorstellungen eine Art rosaroter Brille, die dich zwingt, die ganze Welt in einem bestimmten Licht zu sehen. Überall Außerirdische, sage ich nur. An jeder Ecke findet man Beweise für seine Theorie und alles scheint Sinn zu machen. Mehr braucht unser Ego nicht, um zufrieden zu sein.

Kommt man jedoch mit anderen Menschen in Kontakt, stellt sich schnell heraus, das man mit seinen Ansichten auf weiter Flur allein ist, kämpft, strauchelt und wird eingeliefert. Somit ist das Hauptkriterium für Realität, die intersubjektive Vermittlung, auch bei Harry Potter. In seinem Kopf stirbt ein Teil von Voldemort, während Harry weiterlebt. Das können im Verlauf der Geschichte alle sehen. Insofern ist es real.

Halluzinationen

Die Stimmen im Kopf, die Halluzinationen, die man hat, sind so gesehen auch real, denn sie verändern den Menschen, der sie wahrnimmt und haben Auswirkungen auf die wirkliche Welt. Wenn meine Stimmen mir befehlen, mich umzubringen, könnte es passieren, dass ich dem Folge leiste und von der Brücke springe. Das macht sie so gefährlich.

Sie sind aber ein unteilbares Phänomen, wie der Schmerz, den Sartre beschreibt. Man kann von ihnen berichten, man kann die Auswirkungen zeigen und vielleicht können Andere es nachvollziehen. Aber selbst der nahestehendste Freund kann die Stimmen in meinem Kopf nicht hören, wie ich auch den Schmerz seiner WeisheitszahnOP nicht fühlen kann.

Im Gegensatz zu Wahnideen, mit denen man ja zumindest eine Religion begründen kann, werden Halluzinationen also immer ein subjektives Phänomen bleiben. Selbst wenn man anderen Menschen durch Drogen oder rituelle Praktiken einen eigenen Zugang dazu ermöglicht, hat jeder absolut eigene Erlebnisse, die er irgendwie mit seiner Ich-Geschichte vereinbaren muss.

Die wirklich schwierige Frage können wir aber immer noch nicht beantworten: Haben Halluzinationen ihren Ursprung in der Wirklichkeit? Gibt es die Fata Morgana, die Geister und den Gott, der mit mir kommuniziert irgendwo oder ist das wieder nur eine Geschichte, die mein Ego mir erzählt, um sich einen Reim auf meine Wahrnehmungen zu machen?