Mein Leben als Schnecke

Schnecke

Das Leben als Schnecke ist nicht immer leicht. Man kriecht so vor sich hin und möchte seine Ziele erreichen, aber es dauert einfach immer ewig. Noch schwieriger ist es natürlich, wenn man sich nicht entscheiden kann, welches Ziel man anpeilen soll. Dann kriecht man in die eine Richtung, ändert seine Meinung, kriecht in die andere Richtung und kommt doch niemals irgendwo an.

Das ist äußerst frustrierend, kann ich euch sagen!

Vor kurzem fand ich ein großartiges Zeugnis aus meiner Vergangenheit:

Diese Botschaft an mein Zukunfts-Ich habe ich vor etwa 15 Jahren geschrieben. Habe ich seitdem auch nur ein einziges Buch veröffentlicht? Nein. Habe ich wenigstens ein Buch geschrieben? Auch nicht.

Nun weiß ich nicht, wie ernst ich dieses Schriftstück nehmen soll. Ist es wirklich ein Ausdruck meiner Berufung? Habe ich mich von tausend anderen Möglichkeiten vom Weg abbringen lassen? Ist dies meine wahre Bestimmung?

Fakt ist, dass der Wunsch zu Schreiben sehr tief sitzt und ich de facto auch sehr viel schreibe. Es ist allerdings das rohste Rohmaterial, das man sich nur vorstellen kann. Wenn ein Buch ein Diamant ist, dann sind meine Morgenseiten Kohlestücken. Nun hoffe ich natürlich, dass es nicht Millionen von Jahren dauern wird, ehe ich ein Buch fertig stellen kann. Aber es fühlt sich tatsächlich so an.

Nichts spricht dagegen, mein erstes Buch mit 70 zu veröffentlichen. Man kann in jedem Alter Autorin werden. Das ist vielleicht ein Grund, warum ich dieses Projekt niemals wirklich als dringlich angesehen habe. Wenn ich aber zurückblicke auf mein 17-jähriges Ich macht es mich doch traurig bislang noch nichts erreicht zu haben.

Es hilft jedoch sich die Schnecke als persönliches Krafttier zu erwählen. Innerhalb des Universums sind wir so klein und unbedeutend, wie die Schnecke für uns und vielleicht ist es hilfreich, zu erkennen, dass alles immer unendlich lange dauert und es keinen Grund gibt sich zu hetzen.

Ich weiß nicht, ob ich Schnecke, meine Ziele jemals erreichen werde. Dazu habe ich zu viele konkurrierende Ziele. Ich verfolge mal dieses intensiver, mal jenes und baue mehrere Hochhäuser gleichzeitig. Klar, dass das dauert. Dafür habe ich am Ende vielleicht wirklich mehrere Wolkenkratzer gebaut, vielleicht wird aber auch keines davon zu meinen Lebzeiten fertig.

Meine Berufung, mein Blog, mein Erfolg

Ich bin mal wieder an dem Punkt angelangt, wo ich die Arbeitsgesellschaft kritisieren möchte, doch leider weiß ich nach wie vor nicht, wie ich das anstellen soll. Ich hatte ein paar Ideen, die ich aber alle verworfen habe, weil sie zu platt waren. Ich möchte keine Klischees bedienen, ich möchte etwas neuartiges schaffen. Daher wälze ich dieses Thema weiter in meinem Kopf hin und her, in der Hoffnung, dass dieser etwas Gescheites ausspucken möge, auch wenn er dies bislang nicht getan hat.

Mir steht der Sinn gerade nach Schachtelsätzen und komplizierten Verwurschtelungen. Mal wieder habe ich viel zu viel Lektüre auf meinem Schreibtisch zu liegen und weiß gar nicht, wann ich es schaffen soll mich damit zu beschäftigen. Das Autorenleben ist schon nicht einfach. Aber es ist schön. Zumindest erhoffe ich mir das.

Ich wünsche mir eines Tages in den vollen Genuss des Autorendaseins zu kommen, da ich hierin eine Berufung sehe. Ich weiß gar nicht, warum ich nicht schon viel früher auf diese Idee gekommen bin. Irgendwie war ich immer mit anderen Projekten beschäftigt. Auch Miss Picky hat sich im Laufe der Zeit stark verändert. Ursprünglich war sie ein Kochblog, später ein Tagebuch und jetzt eine Gedankenmüllhalde. Das klingt negativer, als es gemeint ist. Vielleicht sollte ich ein schöneres Wort dafür finden.

Öffentlichkeit, wie Hannah Arendt sie versteht, sollte darin vorkommen. Miss Picky wäre mein persönlicher Marktplatz, meine Agora, auf die ich mich stelle, um meine Gedanken kundzutun. Ich würde mich auch nicht lächerlich machen, wenn ich keine Zuhörer hätte. Schließlich leben wir im 21. Jahrhundert, in dem alles für die Nachwelt aufgezeichnet wird. So habe ich den Luxus völlig frei von Lampenfieber sprechen zu können und trotzdem (irgendwann vielleicht) in den Genuss eines großen Publikums zu kommen.

Ich werde geduldig sein. Man muss nicht mit 30 Erfolg als Autor haben. Das kann man auch mit 40, 50, 60 oder 70 Jahren. Insofern habe ich noch mindestens 10 Jahre Zeit für den großen Durchbruch. Meine Gedanken sind nicht länger die einer 20-jährigen. Was ich im letzten Jahrzehnt erlebt habe, passt auf keine Kuhhaut. Vielleicht sollte ich es nieder schreiben, aber ich möchte mir doch auch meine kleinen Geheimnisse bewahren. Nicht jeder muss meine Motivation verstehen, ich bin schließlich keine Romanfigur.

Eventuell sollte ich meinen Trainingsplan teilen, nur blöd, dass ich gerade schon wieder alles umgeworfen habe und mit einem neuen Projekt beginnen will.

Berufung Bloggen

Das Thema des dieswöchigen Webmaster Friday Bloggen als Beruf? gibt mir die Gelegenheit einige Überlegungen aus meinem letzten Artikel Arbeitskraft – mein größtes Vermögen? etwas klarer auszuformulieren. Ich möchte daher an den letzten Artikel anknüpfen und dabei die Frage des Webmaster Friday beantworten: Kann Bloggen ein Beruf sein?

Um diese Frage zu beantworten, müssen wir erst einmal heraus finden, was eine Tätigkeit zu einem Beruf macht.

Was ist ein Beruf?

Es gibt zwei Arten von Berufen. Die Eine hängt hauptsächlich von der erworbenen Qualifikation oder Ausbildung ab, während die Andere nur in Verbindung mit einer Anstellung oder einem Arbeitsplatz zustande kommt.

Wer eine Ausbildung zur KfZ-Mechanikerin gemacht hat, ist auch dann noch KfZ-Mechanikerin, wenn sie zwischenzeitlich arbeitlos, in Elternzeit oder anderweitig beschäftigt ist. Andere Berufe ergeben sich nur daraus, dass man eine entsprechende Anstellung findet, z. B. als Redakteurin oder Projektmanagerin. Und macht man sich selbständig, kann man sich auch gleich eine eigene Berufsbezeichnung ausdenken.

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Arbeit 2.0 – Literatur

Die Bachelorarbeit ist fertig und ich kann nun endlich den letzten Teil der Materialsammlung zum Thema Arbeit 2.0 präsentieren. Für alle, die sich also für das Thema Arbeit 2.0 interessieren, sind hier ein paar alphabetisch sortierte Buchtipps.

Zygmunt Bauman:

Verworfenes Leben. Die Ausgegrenzten der Moderne

Über die Verlierer der Arbeitsgesellschaft, der die Arbeit ausgeht.

In seinem neuen Buch blickt Zygmunt Bauman hinter die Kulissen unserer globalisierten Gegenwart.

Seine These trifft den Kern der neuzeitlichen Rationalität: Ein Ergebnis von Modernisierungsprozessen besteht in der Exklusion von Menschen aus den sozialen, nationalstaatlichen und kulturellen Zusammenhängen.

Ortlose Migranten, Flüchtlinge und für »überflüssig« gehaltene Menschen – in ihrem Schicksal manifestiert sich die Tatsache, daß die Entwicklung der modernen Gesellschaften in ökonomischer und politischer Hinsicht nicht etwa in der Integration aller besteht.

Frithjof Bergmann:

Neue Arbeit, neue Kultur: Ein Manifest

Berufung statt Beruf!

Wir leiden nicht nur an schwindenden Arbeitsplätzen, sondern vor allem auch an dem, was der Philosoph Hegel „die Armut der Begierde“ nannte. Gemeint ist damit die Unfähigkeit, Wünsche zu äußern und eigene Projekte zu realisieren.

Nicht zuletzt deshalb klammern wir uns an Jobs, die nicht nur unseren Lebensunterhalt, sondern auch unseren Platz in der Gesellschaft sichern – selbst dann, wenn sie unbefriedigend sind. Und wir verzweifeln übermäßig, wenn wir sie verlieren.

Um Abhilfe zu schaffen, müssen wir uns mehr auf das besinnen, was wir „wirklich wirklich wollen“.

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