Work, Bitch!

Vielleicht interessiere ich mich für die Frage, wie wir in unserer abgedrehten Welt noch Sinn finden können.

Meine Antwort war bisher
Work, Work, Work, Work, Work

Mehr Interessen, mehr Projekte, aber nicht unbedingt im Sinne schneller, höher, weiter, sondern eher im Sinne von Ausgleich und Balance.

Ist halt bloß die Frage, wie ausgeglichen man sein kann, wenn man mit 200km/h über die Autobahn rast.

Der 12. Entwurf des inneren Kritikers

Das ist der 12. Entwurf eines Blogposts, den ich beginne. Die restlichen 11 sind in meinem Entwürfeordner und jeder einzelne von ihnen wurde von mir für Mist befunden, der nicht einmal der Gedankenmüll-Kategorie gerecht wird. So weit ist es mit mir also gekommen. Ich bilde mir ein, ich hätte meinen inneren Kritiker im Griff, muss aber sehen, dass das eine Illusion ist.

Dies wird ein Post übers Schreiben, denn das ist das Thema, was mich aktuell am meisten interessiert. Schreiben unter Zeitdruck funktioniert scheinbar ganz gut für mich, wobei ich mit Zeitdruck keinen Abgabetermin meine, sondern eine festgelegte Zeitspanne, die ich dafür nutzen kann. Eine Dreiviertelstunde vor der Arbeit – mehr steht nicht zur Verfügung.

So drücke ich also auf die Tube und gucke, was aus ihr rauskommt. Manchmal ist das verhältnismäßig viel, eine Seite ist das Maximum, das ich pro Tag schaffe. Manchmal muss ich quetschen und es kommt doch nichts heraus. So eine Kreativitätstube ist eine schöne Metapher, die ich gleich neben meiner Zahnpasta aufbewahren werde.

Was aber mache ich mit meinem inneren Kritiker? Ich versuche ihn zu besänftigen, indem ich ihm Mülleimer wie den Entwürfeordner gebe, in dem ich meine halbgaren Lebensweisheiten begraben kann. Es ist gut zu wissen, dass Kunst wie Teig aufgehen muss und man nicht alle zwei Minuten am Ofen rütteln muss, um zu sehen, ob sie schon gar ist.

Ich versuche mir ein Rezept für meinen Kuchen auszudenken. Planen, schreiben, backen und nach anderthalb Jahren sollte der Kuchen gar sein. Da ich bisher erst 6 Wochen an ihm rumwerkele, verspüre ich noch keinen existentiellen Druck ihn fertig zu kriegen. Anders sieht das bei meinen Blogposts aus, für die ich keinen zeitlichen Rahmen habe.

Wochenende bedeutet unendlich viel Zeit um Gedankenmist zu produzieren und jetzt habe ich auch noch Urlaub, den ich hoffentlich etwas produktiver nutzen werde. Vormittags schreiben, nachmittags spaßige Aktivitäten – soweit der Plan. Mein Blog ist als Sidequest gedacht. Ein Gefäß, in das ich Metagedanken entleere und so möchte ich das auch weiter handhaben.

Daher drücke ich jetzt einfach den Veröffentlichen-Button und zeige meinem inneren Kritiker den Stinkefinger. Soll er doch sauer sein. Ja, auch auf die Überschrift.

Jemand anderes sein

Ich habe mich jetzt der Idee verschworen, Fiktion zu produzieren, wenn auch nicht hier. Daher werde ich wohl noch öfter über Kunst nachdenken müssen. Vielleicht werde ich auch andere interessante Themen recherchieren müssen, wie zum Beispiel bestimmte Städte oder Lebenserfahrungen anderer Menschen. Darauf freue ich mich ein bisschen.

Ich denke, das Schreiben ist eine gute Arbeit, die mir nicht schwer fallen dürfte. Gleichzeitig habe ich aber auch wenig Erfahrung im kreativen Schreiben und muss wohl noch viel üben, ehe ich etwas Gehaltvolles zustande bringe. Darum werde ich mich mit Schreibübungen und Schreibkursen beschäftigen und meine sprachlichen Ausdrucksfähigkeiten schulen.

Ich habe gerade neulich erst wieder festgestellt, dass ich einen sehr aktiven Geist habe. Es fällt mir leicht mich in andere hineinzuversetzen und auch meine Fantasie, meine Träume, sind in letzter Zeit lebhafter geworden. Es ist also an der Zeit tief in das Geistesleben einer anderen Person abzutauchen. Diese Person wird mir ähnlich sein, ich kann schließlich aus meinem Kopf nicht raus, aber ich werde auch versuchen, ihr andere Charakterzüge zu geben, sodass sie anders agiert und andere Entscheidungen trifft, als ich. Das ist auch ein Beitrag zu meiner eigenen Welterfahrung, gibt es mir doch Möglichkeiten auszuprobieren, ein anderes Verhalten an den Tag zu legen und mögliche Reaktionen durchzuspielen.

Ich möchte nicht jemand anderes sein. Ich möchte jemand anderen spielen. Nicht im alltäglichen Leben. Damit könnte man böse auf die Schnauze fallen. Deswegen soll es im Rahmen eines Experiments geschehen. Vielleicht werde ich mich dadurch aber auch verändern können. Es wird mir Möglichkeiten geben, meinen Verhaltensradius zu erweitern. Darum möchte ich es ausprobieren.

Ich habe ein bisschen Angst zu tief in eine andere Person abzutauchen und mich selbst zu verlieren, daher muss ich eine künstlerische Distanz wahren. Es ist gut mir diese Dinge im Voraus zu überlegen. Auf dem Papier überlegen, kann ich gut. Jetzt ist es an der Zeit auf dem Papier auszuprobieren und meine Psychohygiene auf ein neues Level zu heben. Wie weit kann ich mich von mir selbst entfernen ohne mir untreu zu werden? Kann ich andere Werte annehmen und aus anderen Perspektiven auf die Welt blicken?

Wenn ich es so beschreibe, klingt es wie ein Spiel und es soll ja auch Spaß machen. Solange ich aber auf der Metaebene bleibe und nur darüber nachdenke, wie es wäre, in die Haut von jemand anderem zu schlüpfen, wird aber nichts passieren und es wird sich auch nichts ändern. Ich hoffe, ich schaffe den Sprung bald und ich hoffe, dass die Übungen mir helfen werden. Es ist an der Zeit nicht mehr um den heißen Brei rumzureden und endlich anzufangen.

Berufung Bloggen

Das Thema des dieswöchigen Webmaster Friday Bloggen als Beruf? gibt mir die Gelegenheit einige Überlegungen aus meinem letzten Artikel Arbeitskraft – mein größtes Vermögen? etwas klarer auszuformulieren. Ich möchte daher an den letzten Artikel anknüpfen und dabei die Frage des Webmaster Friday beantworten: Kann Bloggen ein Beruf sein?

Um diese Frage zu beantworten, müssen wir erst einmal heraus finden, was eine Tätigkeit zu einem Beruf macht.

Was ist ein Beruf?

Es gibt zwei Arten von Berufen. Die Eine hängt hauptsächlich von der erworbenen Qualifikation oder Ausbildung ab, während die Andere nur in Verbindung mit einer Anstellung oder einem Arbeitsplatz zustande kommt.

Wer eine Ausbildung zur KfZ-Mechanikerin gemacht hat, ist auch dann noch KfZ-Mechanikerin, wenn sie zwischenzeitlich arbeitlos, in Elternzeit oder anderweitig beschäftigt ist. Andere Berufe ergeben sich nur daraus, dass man eine entsprechende Anstellung findet, z. B. als Redakteurin oder Projektmanagerin. Und macht man sich selbständig, kann man sich auch gleich eine eigene Berufsbezeichnung ausdenken.

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Arbeitskraft – mein größtes Vermögen?

Liebe Arbeitskraft,

kürzlich wurde ich mit einer unangenehmen Frage konfrontiert, deren Beantwortung sicher auch in deinem Interesse liegt. Da ich zumindest vermute, dass ich dir zu Dank und Demut verpflichtet bin, beschloss ich umgehend, dass in dieser Angelegenheit eine schriftliche Auseinandersetzung vonnöten sei und widme dir darum diese Zeilen. Aber eins nach dem anderen.

Es war nämlich so: Ich stand an diesem Schalter in der Bank und wartete. Hin und wieder muss man ja selbst heute noch in eine dieser Filialen gehen. Ich wartete also und stand in der Schlange dort, während mein Blick von einer matt blauen – Biederkeit und Seriosität ausstrahlenden – Karte angezogen wurde. Auf dieser war in dunkelblauer Schrift geschrieben:

Ist Ihr Auto besser versichert als Ihre Arbeitskraft? Vergleichen Sie selbst!

Etwas irritiert las ich die Inschrift erneut und wunderte mich darüber, was diese Dinge miteinander gemein haben. Wie könnte man mein Auto mit meiner Arbeitskraft vergleichen?

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Arbeit 2.0 – Literatur

Die Bachelorarbeit ist fertig und ich kann nun endlich den letzten Teil der Materialsammlung zum Thema Arbeit 2.0 präsentieren. Für alle, die sich also für das Thema Arbeit 2.0 interessieren, sind hier ein paar alphabetisch sortierte Buchtipps.

Zygmunt Bauman:

Verworfenes Leben. Die Ausgegrenzten der Moderne

Über die Verlierer der Arbeitsgesellschaft, der die Arbeit ausgeht.

In seinem neuen Buch blickt Zygmunt Bauman hinter die Kulissen unserer globalisierten Gegenwart.

Seine These trifft den Kern der neuzeitlichen Rationalität: Ein Ergebnis von Modernisierungsprozessen besteht in der Exklusion von Menschen aus den sozialen, nationalstaatlichen und kulturellen Zusammenhängen.

Ortlose Migranten, Flüchtlinge und für »überflüssig« gehaltene Menschen – in ihrem Schicksal manifestiert sich die Tatsache, daß die Entwicklung der modernen Gesellschaften in ökonomischer und politischer Hinsicht nicht etwa in der Integration aller besteht.

Frithjof Bergmann:

Neue Arbeit, neue Kultur: Ein Manifest

Berufung statt Beruf!

Wir leiden nicht nur an schwindenden Arbeitsplätzen, sondern vor allem auch an dem, was der Philosoph Hegel „die Armut der Begierde“ nannte. Gemeint ist damit die Unfähigkeit, Wünsche zu äußern und eigene Projekte zu realisieren.

Nicht zuletzt deshalb klammern wir uns an Jobs, die nicht nur unseren Lebensunterhalt, sondern auch unseren Platz in der Gesellschaft sichern – selbst dann, wenn sie unbefriedigend sind. Und wir verzweifeln übermäßig, wenn wir sie verlieren.

Um Abhilfe zu schaffen, müssen wir uns mehr auf das besinnen, was wir „wirklich wirklich wollen“.

Weitere Bücher

Arbeit 2.0 – Links

Dieser Artikel ist Teil der Materialsammlung zum Thema Arbeit 2.0. Ich habe ein paar Artikel zusammengetragen, die sich mit Arbeit 2.0 bzw. Arbeit in der Wissensgesellschaft beschäftigen.

Bayern2 Dossier Arbeit 2.0 – Zwischen Selbstbestimmung und Selbstausbeutung über die Digitale Bohème und deren technische Grundlagen
Inhalt: Ford bestimmte das Arbeitsmodell der Massenproduktion, Zuse den Büromenschen der Dienstleistungsgesellschaft und das Web 2.0 die flexiblen Kreativen.

In der Computerwoche schreibt Alexandra Mesmer über Arbeit 2.0 und die Generation der unter 30-Jährigen, die Arbeit neu definiert: „Sie sind immer online und wollen anders arbeiten: selbständig, ohne Zeitkorsett und Anwesenheitspflicht.“

Weitere Links