Man sollte meinen, dass es einfach ist, ein autobiografisches Werk zu verfassen. Schließlich hat man alle nötigen Informationen in seinem Kopf und muss sich nichts aus den Fingern saugen. Dennoch ist das Gegenteil der Fall, wie ich feststellen musste.
Es gibt so viele Erinnerungen, an die man gar nicht denken will und wenn man sich an die schönen Zeiten erinnert, füllt man sich mit einer ungewollten Bitterkeit. Ja, meine Kindheit war schön, schöner als mein Leben jetzt und auch wenn ich mir einzelne Elemente zurück in meinen Alltag holen kann, wird es doch nie wieder so sein, wie es einmal war.
Dabei ist es gar nicht mein Ziel mich zurück zu entwickeln und wieder ein Säugling zu werden. Ich mag es erwachsen zu sein und selbst über meinen Tag entscheiden zu können. Niemanden zu haben, der mir Vorschriften macht, hat schließlich auch Vorteile. Nur leider ist es nicht so, dass mir niemand Vorschriften macht. Bestimmte Dinge werden von mir erwartet und dabei blicke ich nicht nur zu meinem Job.
Ich lese gerade Ich bin raus: Wege aus der Arbeit, dem Konsum und der Verzweiflung und so vieles, was der Autor beschreibt, ist mir so auch schon aufgefallen. Das Praktikum während der Schulzeit war ein Alptraum für mich und ich wollte nie niemals so einer Arbeit nachgehen.
Nun kann man es sich aber leider nicht immer aussuchen. Oder angeblich kann man das schon und das ist ja das, was mich am meisten ankotzt: Diese Ideologie, dass man seines eigenen Glückes Schmied ist.
If you don’t like your life, then you should go and change it.
Ich liebe dieses Lied wirklich, weil es so ein Gute-Laune-Macher ist und ich freue mich wirklich aufrichtig für den Erzähler, dass er es geschafft hat und tun kann, was er liebt. Aber ich sehe nicht, wie ich das für mich umsetzen kann. Ich bilde mir ein, dass das was ich liebe, mir nicht die nötigen Moneten ins Haus bringt und auch wenn das bestimmt ein limitierender Glaubenssatz ist (auch so ein Grundsatz dieser Ideologie), so hat er doch reale Konsequenzen.
Das Hauptproblem besteht darin, dass ich mich weigere für irgendetwas Experte zu werden. Es gäbe tausend Wege mich zu spezialisieren, aber ich will lieber Generalist sein und mich für viele Dinge interessieren. Ich bin ein Hansdampf in allen Gassen und eine Amateurin. Ich habe noch so viel vor mir, kann noch so vieles lernen und vielleicht wird ja bei irgendeiner dieser Sachen irgendwann ein kleines Nebeneinkommen rausspringen, auf dem ich aufbauen kann.
An diesen Hoffnungsschimmer klammere ich mich. Es kann ja immer alles anders werden und manchmal muss man sich dafür gar nicht anstrengen. So wie diese Pandemie in unser Leben getreten ist und alles umgekrempelt hat, kann es auch mit anderen Dingen sein, wobei ich natürlich nicht auf Schicksalsschläge hoffe, sondern auf positive Veränderungen. Die können von mir aus gehen, müssen es aber nicht.
Momentan bin ich ohnehin noch nicht bereit dafür.